Galerie Rettet die Liebe!

AIDS ist bis heute eine globale Gefahr. Seit Anfang der 1980er Jahre gibt es weltweit Informations- und Aufklärungskampagnen – dabei spielt das Medium Plakat eine wichtige Rolle. Die Ausstellung „Rettet die Liebe! Internationale Plakate gegen AIDS“ vom 21. August bis 29. November 2020 zeigt beispielhaft an rund 300 Plakaten von allen Kontinenten, wie verschieden die Ansprache in den unterschiedlichen Kulturen ausgeprägt ist: mal witzig, solidarisch, erzählerisch, mal informativ, aufklärend oder ermahnend.

Rettet die Liebe!
Internationale Plakate gegen AIDS
21. August bis 29. November 2020

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
D-45128 Essen
https://www.museum-folkwang.de

Öffnungszeiten:
Di und Mi 10–18 Uhr
Do und Fr 10–20 Uhr
Sa, So & Fe 10–18 Uhr

Galerie Keith Haring

Keith Harings gezeichnete Figuren und ikonischen Bildmotive wie tanzende Männchen, bellende Hunde oder fliegende Untertassen gingen um die Welt. Er stand im Zentrum der legendären New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre: Sein unverkennbarer, scheinbar spontaner Stil entsprang der Dynamik einer Zeit, die von der Clubkultur des Undergrounds, von Raumfahrt, Robotik und Videospielen geprägt war. Haring arbeitete mit Künstlern wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat zusammen – ebenso wie mit Madonna, Grace Jones, Vivienne Westwood und Malcolm McLaren.

Das Museum Folkwang präsentiert eine umfassende Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Keith Haring. Mehr als 85 Werke, darunter großformatige Gemälde und Zeichnungen, Plakate, Fotografien und Videos, vermitteln ein breites Spektrum seines Oeuvres.

Als Sprachrohr seiner Generation reagierte Haring mit seinen Werken auf drängende Themen seiner Zeit wie politische Diktaturen, Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids, Kapitalismus und Umweltzerstörung. Seine Kreidezeichnungen in der New Yorker U-Bahn und die Malereien auf öffentlichen Wänden zeugen davon, dass er Kunst allen zugänglich machen wollte. Die Ausstellung in Essen feiert den kreativen Geist der 1980er Jahre, in denen die Grenzen zwischen Kunst und Popkultur verschwanden. In diesem Umfeld erfand Keith Haring seine universelle Sprache der Chiffren, die sofort und überall verfügbar waren. Damit hatte er sich sofort ins öffentliche Bewusstsein eingeschrieben – inmitten einer medialisierten Welt des Kommerzes.

Keith Haring verstarb 1990 im Alter von nur 31 Jahren an den Folgeerkrankungen von Aids. Er hatte stets offen über seine Homosexualität sowie seine HIV-Infektion gesprochen und so einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung der Krankheit geleistet. Als Künstler hat er universellen Begriffen von Geburt, Tod, Liebe, Krieg und Anteilnahme unverwechselbaren Ausdruck verliehen und ein Oeuvre geschaffen, das heute so relevant ist wie zur Zeit seiner Entstehung.

Keith Haring
21. August bis 29. November 2020

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
D-45128 Essen
https://www.museum-folkwang.de

Öffnungszeiten:
Di & Mi 10–18 Uhr
Do & Fr 10–20 Uhr
Sa & So 10–18 Uhr
Feiertage 10–18 Uhr
Mo geschlossen

Galerie Gezeichnete Stadt

Berlin ist gezeichnet von seiner Geschichte, von Erfolgen und Niederlagen, von Feudalismus, Pragmatismus, Liberalismus, Demokratien und Diktaturen. Aber auch gezeichnet und gemalt von vielen Künstler*innen. Die Berlinische Galerie verfügt über eine der größten und wichtigsten Kunstsammlungen zur Stadt Berlin. Allein die Grafische Sammlung beherbergt eine üppige Vielfalt von rund 25.000 Werken zu zahlreichen Themen. Auch die Ost-Berliner Kunst macht einen umfangreichen und wertvollen Teil dieses Bestandes aus.

In den vergangenen Jahren wurde die Grafische Sammlung um viele, gute Neuzugänge erweitert. Eine besondere Auswahl wird nun ab dem 14. August teilweise erstmals präsentiert. Es werden über 175 Werke, darunter viele mehrteilige Serien, von 22 Künstlerinnen und 47 Künstlern ausgestellt: überwiegend Zeichnungen in großen, mittleren, kleinen Formaten, viel Buntes und Schwarzweißes in sehr unterschiedlichen Techniken sowie ein facettenreicher Stilmix aus Gegenständlichkeit, Fotorealismus, Surrealismus, Spätexpressionismus, Abstraktion, Illustrationen und Comic.

„Gezeichnete Stadt“ zeigt in sechs Kapiteln einige weltbekannte Künstler*innen – unter anderem Rainer Fetting, K.H. Hödicke, Tal R, Tacita Dean, Wolf Vostell – bietet aber auch viel Zeit und Raum für Entdeckungen und Wiederentdeckungen starker Werke und starker Künstler*innen-Biografien wie Gabriele Basch, Thomas Bayrle, Gertrude Sandmann, Werner Heldt, Evelyn Kuwertz, Eugen Schönebeck, Klaus Vogelsang. Die Ausstellung verbindet 20 ostdeutsche Positionen, u.a. Klaus Ensikat, Dieter Goltzsche, Monika Meiser, Florian Merkel, mit 40 westdeutschen Positionen, u.a. Patrizia Bach, Arved Dietrich, Pia Linz, Malte Spohr, Bernd Trasberger. Die Mehrheit – 50 Künstler*innen – lebt in Berlin und ist derzeit noch kreativ im Einsatz. Einige Werke zeigen Berlin mit intensivem Blick von außen, zum Beispiel von Catherine Bührendt-Metais, Marcel van Eeden, Terry Fox, Antonio Saura, Emilio Vedova.

Berlin feiert dieses Jahr ein besonderes Jubiläum seiner Stadt-Geschichte: Es finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen statt, zu denen auch die „Gezeichnete Stadt“ gehört. Am 1. Oktober 1920 wurden sieben Nachbarstädte und viele Landgemeinden zu einer Stadt zusammengeschlossen. Damit wurde Berlin über Nacht mit rund 3,8 Millionen Bewohner*innen zu einer wirtschafts- und kulturstarken Weltmetropole und neben Los Angeles, New York City und London zu einer der größten Städte der Welt.

Gezeichnete Stadt
Arbeiten auf Papier 1945 bis heute
14. August 2020 bis 4. Januar 2021

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124 –128
D-10969 Berlin
https://berlinischegalerie.de

Öffnungszeiten:
Mi bis Mo 10–18 Uhr
Dienstag geschlossen

Galerie El Lissitzky und eine Rolle Plakate

„Von allen Künsten ist meines Erachtens die Filmkunst die wichtigste“, soll Lenin 1922 gesagt haben. In dem großen föderalen Land mit einer überwiegenden Anzahl von Analphabeten sowie unzähligen Sprachen und Dialekten war der Stummfilm wohl tatsächlich das geeignete Medium, um das Volk mit Propaganda, Bildung und Unterhaltung zu erreichen.

In den Wirren der russischen Revolutionen von 1917, dem anschließenden Bürgerkrieg, der daraus folgenden Wirtschaftskrise und den Hungersnöten war die russische Filmproduktion natürlich zusammengebrochen. Erst ab etwa 1924 bekam auch der Film wieder seine Chance. In den folgenden Jahren bis zum Ende der 1920er-Jahre erlebte die Filmkunst in der UdSSR ihre Blütezeit. Beliebt waren beim Massenpublikum vor allem Abenteuerfilme, sentimentale Melodramen und Slapstick-Filme. Bei der intellektuellen Kritik gelangten die experimentellen und avantgardistischen Filme von Sergej Eisenstein und Dziga Vertov zu größtem Ruhm, sie machten auch im Ausland großen Eindruck und wurden stilbildend für das Kino der Weimarer Zeit.

Die konstruktivistischen Plakate, die ab Mitte der 1920er-Jahre die Kinofilme in der Öffentlichkeit bewarben, zählen weltweit zu den kreativsten und spektakulärsten ihres Genres und wirken auch heute noch sehr modern. Sie standen dem Film in keiner Weise nach, ja übertrafen die teils nicht sehr anspruchsvollen Filme oftmals in ihrer künstlerischen Qualität. Die Herstellung der Plakate war wie die Filmproduktion in der Sowjetunion staatlich organisiert. Aufgrund ihrer Funktion als kurzfristige Reklame im Außenraum sind trotz der hohen Auflagen nur wenige Plakate erhalten, so dass sie heute extrem selten sind. Die Brüder Georgij und Vladimir Stenberg proklamierten: „Wir schaffen auffallende Plakate, die den Betrachter sprachlos machen […] Wir nutzen alles, was selbst den eiligsten Passanten aufhält.“

Eines der wichtigsten ästhetischen Mittel, um dies zu erreichen, war die Fotomontage, die Fotografie und Zeichnung miteinander kombinierte und das Alleinstellungsmerkmal der sowjetischen Filmplakate war. Die Plakatkkunst Schaffenden bedienten sich derselben experimentellen, kinematografischen Techniken wie in den angekündigten Filmen: Montage, Nahaufnahme, exteme Blickwinkel. Rastereffekte, eine sehr lebendige Farbwahl, typografisch gewagte Textsetzungen und eine exterme Dynamik sind weitere Kennzeichen.

Das Konvolut von 37 Blättern im Sprengel Museum Hannover besteht vornehmlich aus 27 konstruktivistischen Filmplakaten der jungen Sowjetunion von 1924 bis 1928. Es sind Entwürfe so namhafter Künstler wie Aleksandr Rodčenko, Aleksej Gan, Georgij und Vladimir Stenberg, Aleksandr Naumov, Nikolaj Prusakov und Grigorij Borisov, Jakov Ruklevskij, Anton Lavinskij und Petr Žukov, die russische, amerikanische und deutsche Stummfilme bewerben. Des Weiteren gehören zwei sowjetische Propagandaplakate, drei architektonische Zeichnungen von El Lissitzky für die Pressa-Ausstellung 1928 in Köln und zwei Pressa-Plakate für Kinder von Susanne Ehmcke zum Konvolut. Einige Plakate sind mehrfach vorhanden, andere nur Teile von mehrteiligen Großplakaten. Es stellte sich nun die Frage, wie dieses scheinbar inhaltlich und in Bezug auf Vollständigkeit so heterogene, andererseits zeitlich sehr eng begrenzte Konvolut zusammenkam und seinen Weg nach Hannover fand.

Die großformatigen Papiere waren eng zusammengerollt und gelangten um 1982 in die grafische Sammlung des Museums. Sie waren in schlechtem Zustand, teils eingerissen, teils mit gravierenden Fehlstellen, zudem größtenteils bedruckt in kyrillischer Schrift und ohne jegliche Hinweise auf ihre genauere Herkunft. Dieser nicht identifizierbare Haufen Papier wurde beiseitegelegt und abermals vergessen, bis er über 30 Jahre später wiederentdeckt und erforscht wurde.

Inzwischen sind alle Blätter identifiziert, aber auch jetzt ist die Herkunft noch nicht mit Gewissheit geklärt. Die drei architektonischen Entwurfszeichnungen geben jedoch einen Hinweis. El Lissitzky war 1928 verantwortlich für den Pavillon der UdSSR auf der „Pressa“-Ausstellung in Köln. In der spektakulären Ausstellung wurde die Presselandschaft der Sowjetunion präsentiert, sie umfasste allerdings keine Filmplakate. Diese wurden erst 1929 auf der ebenso einflussreichen Ausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart gezeigt. Für die Architektur der russischen Präsentation war wiederum El Lissitzky zuständig, verantwortlich für die Auswahl der Filmbilder und einiger Filmplakate zeichnete die Kunsthistorikerin und Sammlerin Sophie Lissitzky-Küppers, die Ehefrau Lissitzkys.

Das Ehepaar Lissitzky reiste aber nicht persönlich nach Stuttgart, sondern entsandte den Regisseur Dziga Vertov, der seinen neuen Film „Der Mann mit der Kamera“ dort zeigen sollte. Im Vorfeld hatte sich Sophie Lissitzky-Küppers von Moskau aus intensiv darum bemüht, dass Vertov seinen Film auch in anderen deutschen Städten vorstellen konnte. U. a. hatte sie in Berlin Hugo Häring kontaktiert, der zum Vorstand des Deutschen Werkbundes gehörte, dem Veranstalter der beiden Ausstellungen in Köln und Stuttgart. Er schrieb zurück, er bemühe sich um Vertovs Filmvorführung und: „Die Rolle Plakate werde ich Ihren Angaben gemäß nach Hannover schicken.“ Vermutlich sandte er diese an Alexander Dorner vom Provinzialmuseum, der seit kurzem begonnen hatte, eine „Sammlung vorbildlicher Plakate“ aufzubauen, die aber im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

El Lissitzky und eine Rolle Plakate 
Filmplakate der russischen Avantgarde
12. August bis 15. November 2020

Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz
D-30169 Hannover
https://www.sprengel-museum.de

Öffnungszeiten:
Di bis Sa 13–18 Uhr
Fr & So 10–18 Uhr

Galerie Orte des Exils

Die dritte und vorerst abschließende Ausstellung der Reihe über Künstler_innen mit Exil-Hintergrund befasst sich mit den über die ganze Welt verstreuten Orten des Exils, darunter Orte des Aufbruchs und der Ankunft, aber auch reine Transit- und Zwischenstationen, von denen aus sich neue Wege eröffneten, und gewollte wie ungewollte Endstationen einer Flucht und Orte der Rückkehr.

Konkret wird sich die Ausstellung den Orten Zürich, Jerusalem, London, New York, Collingwood, Stockholm und Shanghai widmen und das grafische Werk der Schriftstellerin Else Lasker-Schüler (1869 Elberfeld, DE – 1945 Jerusalem, IL), die fotografischen und filmischen Arbeiten von Wolf Suschitzky (1912 Wien, AT – 2016 London, UK), die Zeichnungen und Karikaturen von Walter Trier (1890 Prag, CZ – Collingwood, Ontario, CA), Möbelentwürfe von Victor Papanek (1923 Wien, AT – 1998 Lawrence, KS, US), die Porträts der Malerin Lotte Laserstein (1898 Preußisch Holland, (heute) PL – 1993 Kalmar, SE) und die Filme der Regisseurin Louise Kolm-Fleck (1873 – 1950 Wien, AT) vorstellen.

Dabei wird deutlich, dass Orte des Exils und die dortigen Bedingungen neue Lebenschancen eröffneten, wir für Trier oder Suschitzky, für andere, wie für Laserstein, zu Orten wurden, an denen sie überlebten, aber im Anpassungsprozess an das neue Publikum und aufgrund des Fehlens eines ähnlich anregenden und vertrauten Umfelds Einbußen ihrer künstlerischen Innovationskraft hinnehmen mussten.

Orte des Exils
25. Juli bis 22. November 2020

Museum der Moderne Mönchsberg
Mönchsberg 32
A-5020 Salzburg
http://www.museumdermoderne.at

Öffnungszeiten:
Di bis So 10–18 Uhr
Mittwoch 10–20 Uhr
Während der Festspiele:
Zusätzlich Mo 10–18 Uhr