Galerie Brecht Evens. Night Animals

Vor 10 Jahren erscheint Brecht Evens erste Graphic Novel «Am falschen Ort» und sorgt weitherum für Furore. Evens begeistert mit der eigenwilligen, konturlosen Aquarelltechnik, die seine Arbeit unverkennbar macht. Ohne Panels, in einer subtilen und leuchtenden Farbigkeit gehalten, fliessen die Figuren, die Hintergründe und die ebenfalls gemalten bunten Texte ineinander. In «Am falschen Ort» erzählt der damals erst 23-jährige Evens die Geschichte seiner Generation, in der nichts wichtiger ist, als die richtigen Freunde zu haben und der richtigen Peergroup anzugehören.

Sein fulminantes Debüt mausert sich zum vielfach preisgekrönten Comic-Bestseller. In den folgenden Graphic Novels «Die Amateure» (2011), «Panter» (2014) und «Les Rigoles» (2018) entwickelt Evens seinen Stil weiter. Seine Bücher faszinieren dank den satt glühenden, geradezu magisch aufgeladenen Bildern, in denen alles virtuos ineinandergreift, die Figuren, die Hintergründe und auch die ebenfalls mit Pinsel hingetupften Texte. Das raffinierte Spiel aus Überlagerung und Transparenz lässt das Innenleben der Personen nach aussen treten und macht Gefühle und Atmosphären sichtbar, ja geradezu spürbar – nicht zuletzt in «Les Rigoles», das die Wege dreier Menschen durch eine überlange, rauschhafte Nacht nachzeichnet.

Geboren ist Brecht Evens 1986 im flämischen Hasselt. Er studierte an der LUCA School of Arts in Gent und lebt und arbeitet heute in Paris. Für seine in mehrere Sprachen übersetzten Graphic Novels hat Brecht Evens zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter zwei Fauves am Festival International de la Bande Dessinée in Angoulême. Neben Comics veröffentlichte Brecht Evens in der Travel-Book-Reihe der Fondation Louis Vuitton ein Porträt seiner Wahlheimat Paris. Daneben zeichnet er für angesehene Magazine und Zeitschriften wie etwa «Libération», «The New York Times» und für den Mode-Designer Cotélac. In Antwerpen (2012) und Brüssel (2018) hat Evens grosse Fresken geschaffen.

Das Cartoonmuseum Basel zeigt die teilweise grossformatigen Originale des aufstrebenden belgischen Künstlers in einer Ausstellung, die alle Werke umfasst.

Brecht Evens. Night Animals
12. September 2020 bis 31. Januar 2021

Cartoonmuseum Basel
St.Alban-Vorstadt 28
CH-4052 Basel
https://cartoonmuseum.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 11—17 Uhr

Galerie Franz Gertsch. Looking Back

Wer an Franz Gertsch denkt, denkt an seine grossen Gemälde und Holzschnitte. Der Künstler arbeitet seit den 1960er-Jahren meist in riesigen Formaten. Sie haben ihn auch international bekannt gemacht. Weniger im allgemeinen Bewusstsein verankert sind hingegen Gertschs Werke aus der Zeit davor. Zum neunzigsten Geburtstag des wichtigen Schweizer Künstlers konzentriert sich die Graphische Sammlung daher für einmal ganz auf sein frühes Schaffen. Die Auswahl geht von filigranen Holzschnitten bis zu romantisch anmutenden Zeichnungen, von Skizzen bis zu Künstlerbüchern. Darüber hinaus sind atmosphärische Farbproben zu sehen, die im Verlauf des Druckprozesses der grossformatigen späteren Holzschnitte entstehen.

Franz Gertsch (*1930) gehört zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart, der auch auf dem internationalen Parkett präsent ist. Und er blickt auf eine lange Karriere zurück: Dieses Jahr feiert er seinen neunzigsten Geburtstag. Aus diesem Anlass widmet ihm die Graphische Sammlung ETH Zürich eine Ausstellung mit Katalog, die sich für einmal ganz auf sein frühes Werk konzentriert. Seit Langem ist die Graphische Sammlung mit dem Künstler verbunden, und sie besitzt zahlreiche druckgraphische Werke seiner reifen Phase. Doch für diese Ausstellung wollte die Institution nicht nur aus dem eigenen Fundus schöpfen, sondern die frühen Zeichnungen und Holzschnitte ans Licht holen, die sich grösstenteils im Besitz des Künstlers befinden. Im engen Austausch mit Franz Gertsch wurde eine konzise Werkgruppe zusammengestellt, die von den 1940ern bis in die 1960ern reicht, und die um einige Arbeiten aus der Graphischen Sammlung ergänzt sind.

Völlig ungegenständliche Bildfindungen waren nie das Ziel von Franz Gertsch, obwohl dies nach dem Zweiten Weltkrieg klar der Trend der Zeit war. Er schuf weder konkrete Kunst noch war er Anhänger des Abstrakten Expressionismus oder einer Farbfeldmalerei. Er verfolgte unbeirrbar seinen eigenen Weg – einfach war es trotzdem nicht. Gertsch war ein Suchender, der sich vielen künstlerischen Stilen zuwandte und sie gleichsam auf ihre Kraft abtastete. Er vertraute seinem Frühwerk lange nicht: Kunst aus dieser Phase stellte er nach 1969 nicht mehr aus, weil ihm sein Schaffen lange Zeit erst ab den späten 1960er-Jahren als reif und gültig erschien. Seit den 1990er-Jahren wird sie in Ausstellungen gezeigt, denn die Kunst aus seinen frühen Jahren macht besonders gut deutlich, wie sehr Gertsch verschiedene Ausdrucksweisen ausprobierte.

Obwohl er immer der Gegenständlichkeit verpflichtet blieb, sind seine Werke stilistisch sehr unterschiedlich: Der Künstler schuf filigrane Bleistiftskizzen, mit denen er in mehreren Strichen die Umrisse seiner Motive suchend abtastet oder fertigte Tuschezeichnungen an, in denen er seine Sujets mit präzis gesetzten, geschwungenen Linien herausarbeitet. Auch in der Druckgraphik entwickelte er ganz verschiedene Ausdrucksformen. Sie reichen von linienbetonten,fast schon skizzenhaft zu nennenden Holzschnitten in Schwarzweiss bis zu solchen, in denen er klare Formen wählte und mit Farbe experimentierte. Zudem schuf Gertsch damals vier Künstlerbücher mit Holzschnitten und Texten. In der Ausstellung ist das Frühwerk in Themengruppen ausgestellt und unterstreicht, dass der Künstler oft auf seine Motive zurückgekommen ist. Frauenfiguren in Rückenansicht, Gesichter, Landschaften, mythologische Figuren wie etwa Orpheus oder Innenräume mit fast schon phantastisch-surrealen Elementen sind anzutreffen.

Darüber hinaus laden Farbproben, die im Verlauf des komplexen Druckprozesses der beeindruckenden grossformatigen Holzschnitte entstehen, dazu ein, die schiere Pracht einer weiteren Facette von Gertschs Werk kennenzulernen. Die farbigen Testreihen, die der Künstler liebevoll als «études (de) couleurs» bezeichnet und für sich als eigene Sammlung abgelegt hat, fördern eine enorme Vielfalt an Erscheinungsformen zu Tage. Es muss um 1997 herum gewesen sein, als der Künstler quasi als Nebenbeschäftigung zum parallel laufenden Neudruck seiner frühen Holzschnitte damit anfängt, die gesammelten Farbproben als gültige Varianten wahrzunehmen. Sie dienen ihm nicht nur als technische Hilfsmittel, sondern üben darüber hinaus einen ganz besonderen Reiz aus: an den kleinen, monochromen Farbräumen kann sich nicht nur der Künstler einfach nicht sattsehen.

Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein reich bebilderter Katalog (Deutsch / Englisch) mit zwei Aufsätzen, in denen – Tiefenbohrungen vergleichbar – zwei Aspekte herausgearbeitet werden: Alexandra Barcal geht in ihrem Essay den Farbproben und den geheimnisvollen Farbräumen auf die Spur und Linda Schädler fokussiert in Ihrem Text auf die vier frühen Künstlerbücher, in denen Gertsch gekonnt Bild und Text kombiniert.

Franz Gertsch. Looking Back
Hommage zum Neunzigsten
1. September bis 15. November 2020

Graphische Sammlung ETH Zürich
Rämistrasse 101, HG E 52
CH-8092 Zürich
https://gs.ethz.ch/

Öffnungszeiten:
täglich 10.00–16.45 Uhr

Galerie Über Mütter

Maria Rolly kommt am 29. Oktober 1925 in Basel zur Welt, wo sie auch heute noch lebt. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie bei den Grosseltern und bei einer Tante. Niemals aber lebt Maria Rolly bei ihrer Mutter. Ihren leiblichen Vater kennt sie nicht. Der spätere Stiefvater ist ein ruhiger und hilfsbereiter Mann. 1951 heiratet sie den Basler Grafiker Hanspeter Rolly. Sie bekommen zwei Söhne. Mit 40 Jahren beginnt sie als Autodidaktin zu malen.

Schnell wird die Öffentlichkeit auf Maria Rollys naiv anmutende Malerei aufmerksam. Sie findet Eingang in Galerien und Sammlungen. „Naiv“ malt die Künstlerin auch für die nächsten zwei Jahrzehnte. Ihr 16-teiliger „Mütter-Zyklus“, den das Museum im Lagerhaus 2019 von ihr als Schenkung erhalten hat und der als solitäres Werk Rollys bezeichnet werden kann, entsteht erst 1988–1991. Es ist eine Werkreihe, die durch ihre Andersartigkeit hervorsticht. In ihr befasst sich Maria Rolly im Alter von 63 Jahren mit ihrer nie gelebten Mutter-Tochter-Beziehung. Zu diesem Zeitpunkt ist die Mutter der Künstlerin frisch verwitwet und selbst 82 Jahre alt.

Diese Situation ist Auslöser, dass Rolly erstmals in ihrem Leben ins Gespräch mit ihrer nun vereinsamten Mutter kommt. Dabei erkennt die Künstlerin deren Unvermögen, Mutter zu sein. Rolly macht sich an die Aufarbeitung dieser Erkenntnis, indem sie 16 Mütter in grossformatigen Pastellkreide-Zeichnungen inszeniert. Jede verkörpert dabei unterschiedliche Formen von Mutter-Sein: von böse über liebevoll bis zu janusköpfig. Es ist ein Versuch, die eigene Mutter und ihr Handeln akzeptieren zu können und sich noch spät mit ihr auszusöhnen.

Das Museum im Lagerhaus präsentiert den „Mütter-Zyklus“ in seiner Gesamtheit, flankiert von Werken aus der Museumssammlung von Adelheid Duvanel (1936–1996), Reni Blum (1934–2003) und Berta Balzli (1920–2010).

Über Mütter
1. September bis 15. November 2020
Vernissage: Mo 31. August 20, 18.30 Uhr

Museum im Lagerhaus
Davidstrasse 44
CH-9000 St. Gallen
https://www.museumimlagerhaus.ch

Öffnungszeiten:
Di bis Fr 14–18 Uhr
Sa, So & Fe 12–17 Uhr

Galerie Rettet die Liebe!

AIDS ist bis heute eine globale Gefahr. Seit Anfang der 1980er Jahre gibt es weltweit Informations- und Aufklärungskampagnen – dabei spielt das Medium Plakat eine wichtige Rolle. Die Ausstellung „Rettet die Liebe! Internationale Plakate gegen AIDS“ vom 21. August bis 29. November 2020 zeigt beispielhaft an rund 300 Plakaten von allen Kontinenten, wie verschieden die Ansprache in den unterschiedlichen Kulturen ausgeprägt ist: mal witzig, solidarisch, erzählerisch, mal informativ, aufklärend oder ermahnend.

Rettet die Liebe!
Internationale Plakate gegen AIDS
21. August bis 29. November 2020

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
D-45128 Essen
https://www.museum-folkwang.de

Öffnungszeiten:
Di und Mi 10–18 Uhr
Do und Fr 10–20 Uhr
Sa, So & Fe 10–18 Uhr

Galerie Keith Haring

Keith Harings gezeichnete Figuren und ikonischen Bildmotive wie tanzende Männchen, bellende Hunde oder fliegende Untertassen gingen um die Welt. Er stand im Zentrum der legendären New Yorker Kunstszene der 1980er Jahre: Sein unverkennbarer, scheinbar spontaner Stil entsprang der Dynamik einer Zeit, die von der Clubkultur des Undergrounds, von Raumfahrt, Robotik und Videospielen geprägt war. Haring arbeitete mit Künstlern wie Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat zusammen – ebenso wie mit Madonna, Grace Jones, Vivienne Westwood und Malcolm McLaren.

Das Museum Folkwang präsentiert eine umfassende Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Keith Haring. Mehr als 85 Werke, darunter großformatige Gemälde und Zeichnungen, Plakate, Fotografien und Videos, vermitteln ein breites Spektrum seines Oeuvres.

Als Sprachrohr seiner Generation reagierte Haring mit seinen Werken auf drängende Themen seiner Zeit wie politische Diktaturen, Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids, Kapitalismus und Umweltzerstörung. Seine Kreidezeichnungen in der New Yorker U-Bahn und die Malereien auf öffentlichen Wänden zeugen davon, dass er Kunst allen zugänglich machen wollte. Die Ausstellung in Essen feiert den kreativen Geist der 1980er Jahre, in denen die Grenzen zwischen Kunst und Popkultur verschwanden. In diesem Umfeld erfand Keith Haring seine universelle Sprache der Chiffren, die sofort und überall verfügbar waren. Damit hatte er sich sofort ins öffentliche Bewusstsein eingeschrieben – inmitten einer medialisierten Welt des Kommerzes.

Keith Haring verstarb 1990 im Alter von nur 31 Jahren an den Folgeerkrankungen von Aids. Er hatte stets offen über seine Homosexualität sowie seine HIV-Infektion gesprochen und so einen wichtigen Beitrag zur Enttabuisierung der Krankheit geleistet. Als Künstler hat er universellen Begriffen von Geburt, Tod, Liebe, Krieg und Anteilnahme unverwechselbaren Ausdruck verliehen und ein Oeuvre geschaffen, das heute so relevant ist wie zur Zeit seiner Entstehung.

Keith Haring
21. August bis 29. November 2020

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
D-45128 Essen
https://www.museum-folkwang.de

Öffnungszeiten:
Di & Mi 10–18 Uhr
Do & Fr 10–20 Uhr
Sa & So 10–18 Uhr
Feiertage 10–18 Uhr
Mo geschlossen