Galerie Georges Braque. Tanz der Formen

Georges Braque (1882-1963), dem Initiator des Kubismus, widmet das Bucerius Kunst Forum vom 10. Oktober 2020 bis zum 24. Januar 2021 eine große Retrospektive. Hierzulande wurde sein Werk vor allem in den 1930er bis 1960er Jahren und zuletzt 1988 umfangreich ausgestellt. Während ihn jüngst der Pariser Grand Palais (2013) und das Guggenheim Bilbao (2014) mit großen Schauen würdigten, war es seit Ende der 1980er Jahre in Deutschland eher still um den wichtigen französischen Maler.

Mit 80 hochkarätigen Leihgaben, größtenteils aus dem Pariser Centre Pompidou, wird das malerische Werk dieses bedeutenden Künstlers nun erstmals seit über 30 Jahren wieder umfassend in Deutschland präsentiert. Die Ausstellung „Georges Braque. Tanz der Formen“ wurde konzipiert von Brigitte Leal, Kubismus-Expertin und stellvertretende Direktorin des Musée national d’art moderne im Centre Pompidou. Chronologisch zeigt sie in insgesamt sieben Kapiteln die Vielfalt Georges Braques, der trotz stilistischer Veränderungen und formaler Brüche seiner Linie stets treu blieb – ganz anders etwa als sein Weggefährte Pablo Picasso.

Das erste Kapitel der Ausstellung widmet sich dem Frühwerk des Künstlers und zeigt Arbeiten aus den Jahren 1906/07. Die wenigen bekannten Bilder dieser Zeit bezeugen seine enge Beziehung und Begeisterung für den Fauvismus und deren Vertreter, insbesondere Henri Matisse, André Derain und Maurice de Vlaminck. Es war das Physische am Fauvismus, wie es Braque später beschrieb, das ihn damals besonders ansprach. Grelle Töne, expressive Pinselführung und durch reine Farben geschaffene Formen bestimmen seine Werke aus dieser Zeit.

Im zweiten Ausstellungskapitel wird die Entwicklung des Kubismus zwischen 1908 und 1914 beleuchtet. „Man behandle die Natur gemäß Zylinder, Kugel und Kegel“, schrieb Cézanne bereits 1904. Cézannes Geometrisierung der Formen, aber auch seine Beschränkung auf Ockerfarben griff Braque ab 1908 in Landschaften, Stillleben und Akten auf. Ab 1909 begann die enge Zusammenarbeit zwischen Braque und Picasso. Sie bildeten die kubistische „Seilschaft“, die bis zum Kriegsanfang 1914 hielt. In ihren zwischen 1909 und 1912 entstandenen Arbeiten zerlegen sie das Motiv in schematisierte Formen und setzen die verschiedenen Ansichten des dargestellten Objekts frontal nebeneinander. Für diesen analytischen Kubismus sind eine reduzierte grau-braune Farbpalette und das Durchbrechen der geschlossenen Form charakteristisch. Darauf folgte von 1912 bis 1914 der synthetische Kubismus. Im Gegensatz zu den fast abstrakt wirkenden Werken der vorherigen Phase, ist nun eine größere Lesbarkeit der Formen, die Rückkehr der Farbe und ein nahezu spielerisches Vorgehen, welches die traditionelle Malerei infrage stellt, bezeichnend.

Der Erste Weltkrieg bewirkte einen jähen Bruch in der Entwicklung des Kubismus. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Moderne schienen die Avantgarde zu verleugnen und entwickelten eine neue Form des Klassizismus. Braque spielte in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle, wie das dritte Kapitel der Ausstellung aufzeigt. Ihm wurde 1922 ein ganzer Ausstellungsraum im Pariser Salon d‘Automne gewidmet. Viele Kunstkritiker sahen in den hier ausgestellten Werken, in denen sich das Erbe Camille Corots und des Renaissance-Bildhauers Jean Goujon widerspiegelte, Braques endgültige Ablehnung des Kubismus. Der deutsche Kunsttheoretiker Carl Einstein gehörte zu den wenigen, die Braques Scheinklassizismus als eine Fortsetzung und Weiterentwicklung des Kubismus interpretierten. Im Gegensatz zum Kubismus der vorigen Phase, wirken Braques Stillleben aus den frühen 1920er Jahren sanfter und organischer.

Ebenfalls mit einem eignen Kapitel bedacht, sind Braques Mitte der 1920er Jahre entstandenen Kostüm- und Bühnenbildentwürfe. Gezeigt werden hier exemplarisch die Arbeiten für Léonide Massines und Darius Milhauds Ballet Salade, das die Kompanie Les Soirées de Paris 1924 in Paris bei eigens organisierten Wohltätigkeitsveranstaltungen aufführte. Die Farbpalette des Dekors und der Kostüme war schlicht und zurückhaltend – sie entsprach den grauen und braunen Farbtönen Braques Malerei.

Zwischen 1931 und 1942 schuf Braque eine Serie von Stillleben, in der das Erbe des synthetischen Kubismus zum Ausdruck kam. Diese stehen im Zentrum des fünften Ausstellungskapitels. Sie zeichnen sich durch eine flächenhafte dekorative Gestaltung aus. Braque scheint die unbelebten Gegenstände seiner Kompositionen mittels ornamentaler, runder und krummliniger Formen wie Lebewesen zu behandeln. Diese biomorphen Werke lassen sich mit zeitgenössischen Stillleben von Picasso vergleichen, enthalten aber auch Elemente des Surrealismus. Braque thematisiert hier die Verschmelzung zwischen Objekt und Körper und ihre unendlichen Umwandlungen – die gebogene Silhouette der Gitarre erinnert an menschliche Figuren, „ein Glas endet als eine Mandoline, eine Gitarre vollendet eine Flasche“ (Carl Einstein).

Als der Zweite Weltkrieg erklärt wurde, hielt sich Braque zunächst in seinem Atelier-Haus in der Normandie auf und kehrte 1940 mit seiner Familie nach Paris zurück. Braque verbrachte die Besatzungsjahre unter prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen und zog sich in eine Art „aktive Passivität“ zurück.

Die schlichten, dunklen Kompositionen dieser Zeit werden im sechsten Ausstellungskapitel präsentiert. Die wiederkehrenden Motive des Schädels, des Rosenkranzes und des Kruzifixes, waren ihm zufolge nur ein Vorwand für formelle Recherchen und sollten nicht die damalige Lage evozieren. Die düstere Atmosphäre der Kriegs- und Besatzungsjahre schien sich dennoch implizit in Braques Bildern widerzuspiegeln.

Die Nachkriegszeit brachte Braque breite Anerkennung. 1946 wurde er etwa mit dem Orden der Légion d’honneur und 1948 mit dem Großen Preis für Malerei der Biennale von Venedig ausgezeichnet. Zahlreiche Ausstellungen wurden vor allem auch in Deutschland, wo seine Kunst zur NS-Zeit als entartet diffamiert wurde, realisiert. Der Pariser Louvre präsentierte Braque 1961 in einer großen Retrospektive – die erste Ausstellung überhaupt, die das Museum einem lebenden Künstler widmete. Bereits Anfang der 1950er Jahre wurde er vom Louvre mit einem Deckengemälde beauftragt. Es zeigt auf einem blauen Hintergrund schwebende schwarze Vogelsilhouetten und war Ausgangspunkt einer Reihe von Werken mit Vögel-Motiven, die im letzten Kapitel der Ausstellung zu sehen sind.

Diese Werke zeichnen sich durch die piktografische Darstellung der Vögel sowie durch neue Raumkonzeptionen aus. Seit seiner kubistischen Phase schuf Braque fast ausschließlich Darstellungen von Innenräumen. Der Vogel stimulierte Braque seine Werke zu öffnen: Der Himmel war wieder zu sehen. So widmete sich Braque in den letzten Jahren seines Lebens einer Serie von Landschaften, für die ein ungewöhnlich horizontales Format und der starke Farbauftrag charakteristisch ist. Die dämmernde Landschaft seines Werks Die Jätmaschine – oft verglichen mit Vincent van Goghs Weizenfeld mit Raben – gilt als das letzte Gemälde, das Braque vor seinem Tod am 31. August 1963 schuf. Es bildet auch den Abschluss der Ausstellung im Bucerius Kunst Forum. Insgesamt umfasst die Schau 52 Gemälde, 27 Zeichnungen und ein Buch mit Radierungen zu Hesiods Theogonie.

Der Ausstellungskatalog mit Beiträgen von Uwe Fleckner, Christopher Green, Jeanne-Bathilde Lacourt, Brigitte Leal, Maximilien Theinhardt und Pierre Wat erscheint im Hirmer Verlag, München (ca. 218 Seiten mit farbigen Abbildungen der ausgestellten Werke, 29,90 Euro in der Ausstellung). Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris.

Georges Braque. Tanz der Formen
10. Oktober 2020 bis 24. Januar 2021

Bucerius Kunst Forum
Alter Wall 12
D-20457 Hamburg
https://www.buceriuskunstforum.de

Öffnungszeiten:
Täglich 11-19 Uhr
Donnerstag 11-21 Uhr

Galerie Modernité – Renoir, Bonnard, Vallotton

Der Winterthurer Sammler und Mäzen Richard Bühler prägte mit seinem privaten und öffentlichen Engagement ein neues Kunstverständnis in der Schweiz. Er läutete einen Geschmackswandel hin zur Moderne ein und war in Winterthur einer der bedeutendsten Vorkämpfer für die moderne französische und Schweizer Malerei. Nun widmet sich das Kunst Museum Winterthur in der Ausstellung „Modernité – Renoir, Bonnard, Vallotton“ erstmals dem in Vergessenheit geratenen Sammler und Mäzen mit einem Fest der Farben.

E. Richard Bühler (1879–1967) gehörte zu den wichtigsten Sammlerpersönlichkeiten der Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als privater Sammler und als Präsident des Kunstvereins liess er Winterthur zu einem der führenden Orte der modernen französischen Malerei werden. Er prägte mit seinem Engagement nicht nur die Sammlung des Kunstvereins Winterthur, sondern leitete einen allgemeinen Geschmackswandel in der Schweiz ein. Mit seiner Cousine Hedy Hahnloser-Bühler und ihrem Mann Arthur Hahnloser teilte er die Begeisterung für die moderne, französische Kunst, die bis dahin in der Schweiz kaum Beachtung gefunden hatte. Daneben war er massgeblich an Planung, Bau und Betrieb des neuen Museumsgebäudes beteiligt, das 1916 eröffnet wurde.

1907 kam es mit der Wahl von Richard Bühler und Arthur Hahnloser sowie weiteren Winterthurer Persönlichkeiten in den Vorstand des Kunstvereins zu einer radikalen Erneuerung im Kunstmuseum. Die alte Garde der Vorstandsmitglieder musste einer jüngeren aufgeschlossenen Generation weichen, was in der Öffentlichkeit wie eine Palastrevolution gewirkt haben muss. Als Präsident des Kunstvereins und mit grosszügigen Schenkungen richtete Bühler das Haus gezielt auf die französische Moderne hin aus.

Anders als die Sammlungen von Oskar Reinhart und des Ehepaars Hahnloser hat die private Kollektion von Richard Bühler die Zeit nicht überdauert. Ziel der Ausstellung und des Katalogs ist es, diese in ihren Konturen und wesentlichen Entwicklungslinien nachzuzeichnen. Gleichzeitig soll auch sein grosses Engagement für das Kunstmuseum aufgezeigt werden, das sich unter seiner Ägide von einem Regionalmuseum zu einer international beachteten Institution wandelte.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Malerei der Nabis um Félix Vallotton, Pierre Bonnard und Édouard Vuillard sowie die Kunst der Fauves um Albert Marquet und Henri Manguin. Ergänzt werden sie durch Zeichnungen von Meistern wie Eugène Delacroix und Henri de Toulouse-Lautrec sowie ausgewählte Skulpturen von Aristide Maillol, Auguste Rodin und Charles Despiau. Den Auftakt dazu bildet die Schweizer Moderne um Ferdinand Hodler und Giovanni Giacometti. Damit wird die moderne Kunst um die Jahrhundertwende und die progressive Kunstauffassung Richard Bühlers wieder erlebbar, gleichzeitig erhält man einen Einblick in die faszinierende Welt eines aussergewöhnlichen Mäzens.

Publikation: Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, wissenschaftlicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen und neuesten Forschungsresultaten zur Winterthurer Kunst um 1900. Hirmer Verlag, München, 232 S., zahlr. Farbabb., Hardcover

Modernité – Renoir, Bonnard, Vallotton
Der Sammler Richard Bühler
3. Oktober 2020 bis 21. Februar 2021

Kunst Museum Winterthur
Reinhart am Stadtgarten
Stadthausstrasse 6,
CH-8400 Winterthur
https://www.kmw.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 10–17 Uhr
Donnerstag 10–20 Uhr
Montag geschlossen

Galerie Welt im Umbruch. Von Otto Dix bis August Sander – Kunst der 20er Jahre

Die Ausstellung „Welt im Umbruch. Von Otto Dix bis August Sander – Kunst der 20er Jahre“ beleuchtet eine Zeit der Extreme und Gegensätze, voller Hoffnung und Elend, Licht und Schatten, die auch Assoziationen an die Gegenwart wecken. Im Dialog zwischen Malerei und Fotografie stellt die Schau Höhepunkte einer Kultur vor, die künstlerisch voller Innovationen steckte und in der sich zugleich Vorboten des kulturellen Niedergangs im Nationalsozialismus mehrten.

Die moderne Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit in der Malerei und des Neuen Sehens in der Fotografie strebte eine sachliche und realistisch-veristische Wiedergabe des Bildgegenstands an. Charakteristisch ist der kühle distanzierte Blick auf das Geschehen, der die Welt ohne Illusionen, nüchtern und weitgehend emotionslos erfasst. In Abkehr von dem hymnischen Pathos des Expressionismus richteten die Maler*innen nunmehr ihre Aufmerksamkeit auf vermeintlich Banales, auf den Alltag der Großstadt und auf „hässliche“ Sujets.

Wie die Malerei befand sich auch die Fotografie Anfang der Zwanziger Jahre im tiefgreifenden Umbruch. Statt malerischer Unschärfe, die eine Nähe zur Kunst des Impressionismus und Symbolismus suggerierte, bekannten sich die modernen Fotograf*innen zur Bildschärfe und zu einer unmanipulierten Darstellung der Wirklichkeit. Zeitgenössische Kunstkritiker wie Adolf Behne oder Paul Westheim haben auf die Präsenz einer fotografischen Ästhetik in der Malerei der Neuen Sachlichkeit schon frühzeitig hingewiesen. Zu dieser Präsenz des Fotografischen zählen die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Stofflichkeit, Materialität und Oberflächentextur, außerdem die Fragmentierung und Isolierung des Gegenstands, oder die Wahl von Nah-, Auf- und Schrägsichten, welche die Komposition in einen dynamischen Bildraum verwandeln.

Die figurative Malerei und Fotografie der 20er Jahre verbindet die Rückbesinnung auf den Gegenstand. Technische Apparate oder gewöhnliche Alltagsobjekte wurden mit liebevoller Hingabe zum Detail wiedergegeben. Dieses Bekenntnis zur „Ordnung der Dinge“ geht in der Malerei einher mit einer Rückbesinnung auf handwerkliche Traditionen. Mit Hilfe der altmeisterlichen Öllasurtechnik ließen sich beispielsweise Gegenstände wirklichkeitsnah darstellen und zugleich jede gestische Spur zugunsten einer glatten Oberfläche tilgen. Die besondere Eigenschaft, die Oberfläche und Gestalt prägnant zu erfassen, prädestinierte die Fotografie für den Einsatz in der Reklame im Wechselspiel mit moderner Typografie und Bildmontage.

Diese allgegenwärtige Ästhetisierung des Alltäglichen fand bei Zeitgenossen nicht nur Zustimmung, sondern rief auch Kritik hervor. Walter Benjamin beispielsweise warf dem Fotografen Albert Renger-Patzsch Verklärung und Verschleierung der eigentlichen Realitätsverhältnisse vor und kritisierte die neusachliche Fotografie als modische Affirmation der bestehenden Ordnung im Kapitalismus. Diese Systemkritik schloss in den Zwanziger Jahren auch die allgemeine Technikeuphorie in einer modernen Industriegesellschaft mit ein. Die vielfach als Maschinenkunst bezeichnete Fotografie schien besonders dafür geeignet, die Welt der Technik und die Stätten der industriellen Produktion bildlich zu erfassen. Doch auch Maler wie Carl Grossberg widmeten sich in ihren Werken dem Innenleben von Fabrikanlagen wie Kessel, Druckwalzen oder Gasometer. Die Schattenseiten einer technisierten Gesellschaft blieben in der Malerei und Fotografie jedoch weitgehend ausgespart.

Die Ausstellung spürt diesem künstlerischen Dialog zwischen Malerei und Fotografie erstmals mit besonderem Fokus auf sieben Kapitel nach: Stillleben / Die Dinge, Maschinenkunst und Technikkult, Akt und Selbstbildnisse, Individualporträt und Typenbildnis, Architektur / Stadtansicht sowie politische Collagen. Das letzte Kapitel präsentiert Arbeiten von Karl Hubbuch, Georg Scholz und John Heartfield, in denen sich die gesellschaftliche Entwicklung in der Weimarer Republik kritisch verdichtet.

Ausstellung und Publikation präsentieren Werke von Künstler*innen, die in Deutschland zwischen 1920 und 1935 gelebt und gewirkt haben. Neben circa 250 Fotografien, Gemälden und Grafiken werden auch die wichtigsten Fotopublikationen der Zeit zu sehen sein. Die Künstler*innen der Ausstellung sind u.a. Aenne Biermann, Erwin Blumenfeld, Otto Dix, Hugo Erfurth, Carl Grossberg, George Grosz, Florence Henri, Hannah Höch, Karl Hubbuch, Germaine Krull, El Lissitzky, László Moholy-Nagy, Albert Renger-Patzsch, Walter Peterhans, Max Radler, August Sander, Georg Scholz, Sasha Stone, Umbo. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Bucerius Kunst Forum Hamburg realisiert worden.

Welt im Umbruch
Von Otto Dix bis August Sander – Kunst der 20er Jahre
2. Oktober 2020 bis 10. Januar 2021
Eröffnung: 1. Oktober 2020, 19.00 Uhr

Münchner Stadtmuseum
St.-Jakobs-Platz 1
D-80331 München
https://www.muenchner-stadtmuseum.de

Öffnungszeiten:
Di bis So 10–18 Uhr

Galerie Gerhard Richter. Landschaft

Die große Herbstausstellung 2020 widmet das Kunstforum Wien einem Künstler, der in der österreichischen Hauptstadt bis dato nur selten zu Gast war: Gerhard Richter (geb. 1932 in Dresden), der international als der bedeutendste lebende Maler gilt, wird im Kunstforum eine umfangreiche Retrospektive seiner Landschaftsbilder zeigen. Es handelt sich um die weltweit erste Ausstellung, die dieses Genre umfassend beleuchtet.

Neben zahlreichen Ölgemälden werden auch Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Objekte ausgestellt, die das Thema „Landschaft“ von den 1960er-Jahren bis heute reflektieren. Dabei werden sowohl bekannte Hauptwerke, als auch Arbeiten präsentiert, die selten oder noch nie öffentlich zu sehen waren. Die Ausstellung gliedert sich in fünf große thematische Abschnitte und setzt mit jenen Landschaften ein, die Richter auf Basis von eigenen oder gefundenen Fotomotiven produziert hat und deren Ausschnitthaftigkeit, Bildaufbau und Farbigkeit eine dezidiert fotografische Ästhetik aufweisen.

Eine „Sehnsucht“ und den „Traum nach klassischer Ordnung und heiler Welt“ drückt Richter in zahlreichen atmosphärischen Landschaftsbildern aus, die an die Kunst Caspar David Friedrichs erinnern. Richter überdenkt die verlorenen Möglichkeiten einer Malerei, wie sie noch in der Romantik praktiziert werden konnte. Er nennt seine Bilder „Kuckuckseier“, da sie als romantisch empfunden werden, aber die geistige Tradition Friedrichs nicht mehr fortsetzen können.

Die Landschaft spielt auch in Hinblick auf die Entwicklung von Richters abstrakter Malerei eine Schlüsselrolle: Vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden stark abstrahierte Gebirgs-, Park-, Sternen- und Meeresbilder. Diese Werke changieren zwischen abbildhaft dargestellten Landschaften und einer selbstbezüglichen Farbmaterie in breiten, pastosen Pinselstrichen. In den 1970er- und 1990er-Jahren produzierte Richter Landschaftsbilder auch in Form fiktionaler Konstrukte, die in der Realität kaum oder gar nicht existieren können. Meeres-, Berg- und Wolkenbilder wurden motivisch so zusammengesetzt, dass sie aufgrund ihrer Größe oder Konstellation eine Totalität von Natur suggerieren, die jede reale Erfahrung übersteigt. Richter scheint mit diesen visionären Entwürfen der ästhetischen Kategorie des Erhabenen nachzuspüren.

Schließlich präsentiert die Ausstellung auch abstrakte Übermalungen: Auf die Oberfläche landschaftlicher Gemälde, Fotografien und Druckgrafiken wurde Ölfarbe in nicht abbildhafter Form aufgetragen. Die beiden simultanen Wirklichkeitsebenen gehen in jenen Werken paradoxerweise eine enge, raffinierte Verbindung ein; sie erscheinen als eine ineinander verzahnte Einheit, deren Spannung aus dem deutlichen Gegensatz der verschiedenen Produktionsformen herrührt. Dadurch ergibt sich eine überraschende Ambivalenz von Realismus und Ungegenständlichkeit, von Schein und Wirklichkeit.

Bedeutende institutionelle Leihgeber und zahlreichen hochkarätigen Privatsammlungen unterstützen das langjährig vorbereitete Ausstellungsprojekt. Die Schau wird an die 150 Arbeiten umfassen und mit großzügiger Hilfe von Gerhard Richter sowie in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich realisiert.

Gerhard Richter. Landschaft
1. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021

Kunstforum Wien
Freyung 8
A-1010 Wien
https://www.kunstforumwien.at

Öffnungszeiten:
täglich 10-18 Uhr

Galerie Lucy McKenzie. Prime Suspect

Lucy McKenzie (geb. 1977 in Glasgow), bekannt für ihren malerischen Einsatz illusionistischer Trompe-l’oeil-Effekte und architektonisch skalierte Installationen, etablierte sich schnell als eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen ihrer Generation. Die in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin selbst entwickelte Ausstellung wird mit über 100 Werken aus der Zeit von 1997 bis heute erstmals den gesamten Umfang ihres Schaffens untersuchen.

Beispiele aus allen bedeutenden Werkgruppen der Künstlerin sind versammelt, angefangen bei frühen Gemälden, die sich auf Popmusik und die Olympischen Spiele in der Ära des Kalten Krieges beziehen, über ihre anschließende Auseinandersetzung mit den Traditionen der schottischen und osteuropäischen Wandmalerei und der belgischen Illustration bis zu großformatigen Gemälden, die auf Grundlage von historischen Baustilen entstanden.

Ebenfalls enthalten sind Werke aus ihrem kollaborativen Modelabel und Forschungsbüro Atelier E.B. und jüngste Arbeiten, die die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Möbel verwischen und zum Teil speziell für die Ausstellung entwickelt wurden.

Lucy McKenzie. Prime Suspect
10. September 20 bis 21. Februar 21
Eröffnung: 9. September 20, 19 Uhr

Museum Brandhorst
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Kunstareal München, Türkenstraße 19
D-80333 München
https://www.museum-brandhorst.de

Öffnungszeiten:
Di bis So 10-18 Uhr
Donnerstag 10-20 Uhr