Galerie Rodin / Arp

Erstmals in einer Museumsausstellung trifft im Dialog zwischen Auguste Rodin (1840–1917) und Hans Arp (1886–1966) das bahnbrechende Schaffen des grossen Erneuerers der Bildhauerei des späten 19. Jahrhunderts auf das einflussreiche Werk eines Protagonisten der abstrakten Skulptur des 20. Jahrhunderts. Beide Künstler zeichnet eine einzigartige künstlerische Innovationskraft und Experimentierfreude aus. Sie schufen Werke, die ihre Zeit stark geprägt haben und bis heute aktuell geblieben sind.

Als skulpturale Meilensteine veranschaulichen die Schöpfungen Rodins und Arps auf eindrückliche und exemplarische Weise grundlegende Aspekte in der Entwicklung der modernen Bildhauerei. So führte Rodin umwälzende Ideen und neue künstlerische Möglichkeiten in die Skulptur ein, die von Arp später aufgegriffen und in seinen biomorphen Formen auf neuartige Weise weiterentwickelt und neu interpretiert oder aber kontrastiert wurden. Obgleich bis heute nicht gesichert ist, dass sich Rodin und Arp jemals tatsächlich persönlich kennengelernt haben, weisen ihre Werke zahlreiche künstlerische Verwandtschaften und Bezugspunkte, aber auch Differenzen auf, welche die Gegenüberstellung ihrer unverkennbaren Schöpfungen zu einer besonders aufschlussreichen visuellen Erfahrung machen.

Den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden Arps 1938 entstandene Skulptur „Automatische Skulptur (Rodin gewidmet)“ und sein Gedicht „Rodin“ von 1952 – ausdrückliche Huldigungen an das grosse Vorbild, die Arps weites Spektrum zwischen Bildhauerei und Dichtung vor Augen führen. Neben diesen expliziten Bezugnahmen eröffnen sich im künstlerischen Dialog zwischen Rodin und Arp aber auch zahlreiche weitere Verbindungen und Referenzen, in welchen die Beschäftigung mit vergleichbaren künstlerischen Fragen Gestalt erlangt. So werden inhaltliche und konzeptuelle Zusammenhänge sichtbar, die in der Auseinandersetzung mit existenziellen Themen wie Schöpfung, Wachstum, Verwandlung und Verfall wurzeln. Dies mündete in Darstellungen menschlicher, tierischer oder pflanzlicher Körper, die auf neuartige Weise miteinander verschmelzen.

Sowohl bei Rodin wie auch bei Arp begegnet eine ganz eigene und doch vergleichbare Auffassung von Natur und Kunst, die das Prozessuale und Experimentelle in den Vordergrund rückt, wodurch auch der Zufall zum künstlerischen Prinzip avanciert. Beide Künstler interessierten sich für die Idee des Lebendigen als philosophisches Grundthema, dem sie in geradezu pulsierenden Skulpturen Anschaulichkeit verliehen. Rodins und Arps bewegte und bewegende skulpturale Körper faszinieren so auch durch ein Zusammenspiel von sinnlich-fliessenden, makellosen Volumen und versehrten, bruchstückhaften Oberflächen und Formen, die im Torso ihr Ideal finden. Das Wechselverhältnis zwischen Konstruktion und Dekonstruktion wird auch in der Gattung der Assemblage greifbar, die Rodin in die Skulptur einführte und Arp weiterentwickelte.

Zugleich entfalten sich bei beiden Künstlern methodische Beziehungen, wie etwa in der Übertragung der Figuren von einem Material ins andere und in ihrer Umsetzung in verschiedene Massstäbe vom Kleinformat bis hin zum Monument. Nicht zuletzt richteten sie ihr Augenmerk auch auf die Präsentation der Skulpturen selbst, insbesondere auch auf den Sockel, den Rodin erstmals grundsätzlich infrage stellte. Schliesslich finden sich bei Rodin und Arp Bezüge motivischer Art, beispielsweise in Motiven wie dem Schatten, der schöpferischen Hand oder der Vase als Gegenstand und Körper. Nicht selten schöpften sie dabei aus der Literatur, etwa aus der antiken Mythologie oder Dantes Göttlicher Komödie .

Mit rund 110 Werken aus internationalen Museen und Privatsammlungen ist „Rodin / Arp“ eine der bislang umfangreichsten Skulpturenausstellungen der Fondation Beyeler. Wenn der Schwerpunkt der Ausstellung auch auf Rodins und Arps Skulpturen liegt (dazu gehört auch eine monumentale Aussenskulptur im Park des Museums), werden darüber hinaus auch Reliefs von Arp sowie Zeichnungen und Collagen beider Künstler zu sehen sein. Die Ausstellung versammelt ikonische Werke, so etwa Rodins „Der Denker“ und „Der Kuss“ sowie Arps „Ptolemäus“ und „Torso“ . Zugleich lassen aber auch weniger bekannte Arbeiten beider Künstler deren künstlerische Beziehungen umso anschaulicher werden.

Rodin / Arp
13. Dezember 2020 bis 16. Mai 2021

Fondation Beyeler
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen/Basel
https://www.fondationbeyeler.ch

Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr
mittwochs bis 20 Uhr

Galerie Michał Budny, Vittorio Santoro – Sculpture/Sculpture

Michał Budny (*1976) gehört zu den führenden Positionen der aktuellen polnischen Kunst. Seine Objekte, Installationen und Kartonagen nehmen Mass am Menschen, an der Körperlichkeit und Präsenz des Künstlers sowie der Betrachterin. Auch Vittorio Santoros (*1962) Arbeiten sind auf das Publikum angewiesen: Viele Arbeiten erschliessen sich erst durch die Bewegung in einer Installationen und zwischen den Objekten. Die Ausstellung „Sculpture/Sculpture“ verbindet die Werke der beiden Künstler zu einem losen Dialog.

In ihrer Strenge und Gegenstandslosigkeit erinnern Michał Budnys Arbeiten an den Konstruktivismus. Die Klarheit seiner visuellen Sprache und die geometrischen Formen stellen Verbindungen zur Minimal-Art her. Doch wenn Budny 180 Quader auslegt, die von weitem wie schwarze Ziegelsteine aussehen, aber aus Karton gefertigt sind, zeigt sich Budnys Interesse am Brüchigen und Prekären. Genaue Beobachtungen von Emotionen, Orten und Beziehungen stehen am Anfang seines Arbeitsprozesses, so dass jedes Werk immer auch eine Vorstellung, eine Erinnerung oder ein Gefühl vermittelt. Dafür setzt der Materialien wie Holz, Stahl und Sand präzise ein.

„Meteorite“ (2020) sind über ein Meter hohe, ovale, aus Gusssand geformte Objekte. Die Arbeit entstand während seines Atelieraufenthalts im Sitterwerk St. Gallen in diesem Frühjahr. Budny entdeckte das tiefschwarze Abfallmaterial, das vom Gussprozess übrig bleibt, auf dem Areal der Kunstgiesserei. Die an überdimensionierte Eier erinnernden Meteoriten bestehen aus dem Sand, der normalerweise als Gussform für das flüssige Metall dient. In ihrer Materialität und Haptik spielen sie mit der Ambivalenz von Proportion, Zerbrechlichkeit und Schwere. Ihre perfekte Rundung und die raue schwarze Oberfläche erzählen von einer potentiellen Reise durch das All, vom kosmischen Ursprung im Sonnensystem sowie der darin enthaltenen Geschichte der Frühzeit.

„Sculpture/Sculpture“ ist Vittorio Santoros erste umfassende Werkschau in der Schweiz. Er nennt seine räumlichen Arbeiten skulpturale Situationen, arbeitet aber auch mit Film und vor allem mit Schrift und Sprache. Den Ausgangspunkt für ein Werk bildet stets eine Idee, ein Phänomen in der Welt oder eine literarische Szene, die er mit künstlerischen Mitteln untersucht und übersetzt. In den skulpturalen Situationen kombiniert Santoro gefundene Objekte mit eigens produzierten Artefakten, wobei ihre Herkunft verschiedene Assoziationen ermöglicht. Das Publikum wird mit unterschiedlichen literarischen sowie historischen Momenten konfrontiert und aufgefordert, Entscheidungen zu treffen: rechts oder links gehen, die Installation durchqueren oder nur aus einer sicheren Distanz betrachten?

So lenkt Santoro die Erwartungen des Publikums über den Ausstellungsraum hinaus, hinterfragt etablierte Werte und denkt über soziale Ränder oder poetische Gesten nach. Für „Sculpture/Sculpture“ hat der in Zürich und Paris lebende Künstler eine neue Rauminstallation entwickelt. Er thematisiert darin Megafone, wie sie für die Massenkommunikation im Freien, für Verkündigungen und Demonstrationen verwendet werden. Informationen, Anweisungen, Wünsche und Forderungen werden mittels Megafonen verstärkt und akustisch verzerrt in die Menge gestreut. Verschiedentlich ist Santoro in der Ausstellung mit real-time activities präsent. Mit diesem Begriff bezeichnet er seine Interventionen, seien dies Performances oder Aktionen.

Michał Budny, Vittorio Santoro - Sculpture/Sculpture
31. Oktober 2020 bis 31. Januar 2021
Eröffnung: Fr 30. Oktober 2020, 15 Uhr

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1
CH-6002 Luzern
https://www.kunstmuseumluzern.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 11-18 Uhr
Mittwoch 11-19 Uhr

Galerie Stephan Balkenhol im Duisburger Lehmbruck Museum

Es gibt wohl kaum einen anderen zeitgenössischen Bildhauer, dem es gelungen ist, so prägnante und unverwechselbare plastische Werke zu schaffen, wie dem deutschen Künstler Stephan Balkenhol (*1957). Seine ikonischen Figuren eines Mannes mit weißem Hemd und schwarzer Hose haben ihn weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht. Balkenhol ist ein Bildhauer im klassischen Sinne: Mit Klüpfel und Beitel, Säge und Messer arbeitet er seine Skulpturen und Reliefs aus zum Teil riesigen Holzstämmen heraus. Handwerkliche Arbeitsspuren und Materialeigenschaften werden nicht verleugnet, sondern machen den besonderen Reiz seiner Skulpturen aus.

Das Lehmbruck Museum präsentiert eine umfassende Werkschau Stephan Balkenhols, die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entsteht. Ausgehend von seinen frühen Skulpturen aus der Mitte der 1980er-Jahre spannt sich die Ausstellung bis in die Gegenwart und beleuchtet die geistes- und kulturgeschichtlichen Bezüge in Balkenhols Werk. Ein besonderer Höhepunkt ist eine Werkgruppe von „Köpfen“, die eigens für die Duisburger Ausstellung gefertigt und erstmals zu sehen sein wird. Zahlreiche Zeichnungen und Gipsmodelle bieten darüber hinaus Einblicke in seinen Schaffensprozess und seine künstlerische Ideenwelt.

Stephan Balkenhol
23. Oktober 2020 bis 28. Februar 2021
Eröffnung: Do 22. Oktober 2020, 18 Uhr

Lehmbruck Museum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40
D-47051 Duisburg
https://lehmbruckmuseum.de

Öffnungszeiten:
Di bis Fr 12-17 Uhr
Sa und So 11-17 Uhr

Galerie Isa Genzken. Werke von 1973 bis 1983

Isa Genzken gehört zu den bedeutendsten lebenden Künstlerinnen. Mit ihrem Schaffen, das auch jüngere Generationen inspiriert und herausfordert, bewegt sie sich innerhalb unterschiedlicher Disziplinen wie Skulptur, Installation, Architektur, Fotografie, Film und Malerei. Mit der häuserübergreifenden Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Gegenwart und im Neubau lenkt das Kunstmuseum Basel den Blick auf das herausragende künstlerische Werk, das Isa Genzken im ersten Jahrzehnt ihres Schaffens formuliert hat.

Während international bedeutende Einzelausstellungen bereits wichtige Überblicke zu Genzkens Werk liefern konnten oder spektakuläre Neuproduktionen vorgestellt haben, konzentriert sich das Vorhaben des Kunstmuseums Basel auf die Aufarbeitung der Jahre von 1973 bis 1983. In diesem Zeitraum entstanden die einzigartigen Skulpturengruppen «Ellipsoide» und «Hyperbolos», die erstmals in grosser Zahl versammelt das Zentrum einer Genzken-Ausstellung bilden werden.

Ausserdem wird der Fokus auf die teilweise grossformatigen Computerausdrucke auf Endlospapier gerichtet sein, die bei der Entwicklung der «Ellipsoide» und «Hyperbolos» eine wichtige Rolle spielten und an sich bereits von ausserordentlichem künstlerischem Wert sind. Sie werden um mehrere Zeichenserien ergänzt, die mittels ihrer Linienführung die geschwungene Horizontalfigur der genannten Skulpturen vorab erforscht haben.

Andere Werke aus dem gleichen Jahrzehnt, die in der Ausstellung gezeigt werden, sind der frühe Film «Zwei Frauen im Gefecht» (1974) und konzeptuell angelegte Fotoserien wie die sogenannten Hi-Fis (1979). Die ausgewählten Werkgruppen lenken die Aufmerksamkeit auf die zu Beginn von konzeptuellen und postminimalistischen Arbeitsweisen beeinflusste Kunst Genzkens.

Isa Genzken. Werke von 1973 bis 1983
5. September 2020 bis 24. Januar 2021

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 8
CH-4010 Basel
https://www.kunstmuseumbasel.ch/

Öffnungszeiten:
Di bis So 10–18 Uhr
Mittwoch 10–20 Uhr