Galerie Welt am Draht

Installative Kunst mit Lichtprojektionen, Neonbändern und Fluoreszenzröhren hängt ebenso ab von einem steten Fluss elektrischer Energie wie die Videokunst. Neue technische Möglichkeiten boten auch immer neue ästhetische und inhaltliche Möglichkeiten, welche seit den späten 1960er Jahren von den Künstlerinnen und Künstlern intensiv genutzt wurden.

Gerade weil diese sich rasch wandelnde Technologie nahe am Alltag ist und die schnellen und widersprüchlichen Entwicklungen der Jetztzeit abbildet, sind ihre Botschaften besonders aktuell. Kunstschaffende wie Silvie und Chérif Defraoui, Alexander Hahn, Aleksandra und Roman Signer, Pipilotti Rist oder Matthew McCaslin haben kontinuierlich an der Entwicklung der Kunst mit den neuen Medien und ihrer betont zeitgenössischen Metaphorik gearbeitet.

Diese Künstlerinnen und Künstler sind mit Hauptwerken in der Sammlung des Kunstmuse­ums vertreten und eröffnen in dieser Ausstellung einen Diskurs, der einem visionären frühen Fernsehfilm von Rainer Werner Fassbinder entliehen ist, den dieser 1973 nach dem Science­-Fiction-Roman „Simulacron-3“ von Daniel F. Galouye (1920–1976) drehte. Die Welt ist nicht, was sie scheint, und die Berichte über sie erst recht nicht, nur die Reflexion lässt die Dinge kla­rer werden. Manons zentrale Fotoserie „La dame au crâne rasé“, 1977 in Paris entstanden, verdichtet die Atmosphäre der Zeit, das individuelle Körpergefühl und die Ver­einzelung in der anonymen Grossstadt in einzigartiger Weise. Die Parallelen zum Lebensgefühl in der Zeit

Welt am Draht
24. Oktober 2020 bis 7. März 2021

Kunstmuseum St.Gallen
Museumstrasse 32
CH-9000 St.Gallen
https://www.kunstmuseumsg.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 10-17 Uhr
Mittwoch 10-20 Uhr

Galerie My Generation. Die Sammlung Jablonka

Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er-Jahre. Sie umfasst Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, deren Werke er gezeigt und gesammelt hat. Dabei war es über Jahrzehnte sein Grundsatz, immer mehrere Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu erwerben. Erstmals in der Albertina gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Einblick in die Sammlung – mit dem Fokus auf seine eigene Generation.

Nachdem Rafael Jablonka 2017 seine in Köln ansässige Galerie endgültig geschlossen hatte, erhielt die Albertina 2019 die bedeutende Kollektion. In Form von Künstlerräumen gibt die Schau einen repräsentativen Einblick in das jeweilige Œuvre, rund 110 Werke sind auf zwei Ausstellungsebenen zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die gesamte mediale und thematische Vielfalt der Sammlung Jablonka erleben.

Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können. Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski zählen zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl konfrontiert uns mit seinen Gemälden mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Die von Sherrie Levine ironisch Buddha genannte hochglanzpolierte Bronze nach Marcel Duchamps legendärer Fontaine ist eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung ikonischer Kunstwerke.

Vertretene KünstlerInnen: Miquel Barceló | Ross Bleckner | Francesco Clemente | Richard Deacon | Eric Fischl | Damien Hirst | Roni Horn | Mike Kelley | Sherrie Levine | Cady Noland | Thomas Schütte | Andreas Slominski | Philip Taaffe | Terry Winters

My Generation. Die Sammlung Jablonka
2. Oktober 2020 bis 21. Februar 2021

Albertina
Albertinaplatz 1
A-1010 Wien
https://www.albertina.at

Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 18 Uhr
Mi & Fr 10 bis 21 Uhr

Galerie Andy Warhol exhibits a glittering alternative

Ausstellungskünstler, Installationskünstler oder doch verkappter Kurator? Ab 25. September 2020 verschreibt sich das mumok mit gleich zwei Ausstellungen dem Phänomen Andy Warhol (geb. am 6. August 1928 in Pittsburgh, PA; gest. am 22. Februar 1987 in New York City). Statt der Präsentation altbekannter Klassiker blickt das mumok mit bisher kaum gezeigten Arbeiten hinter die Fassade der weltberühmten Pop-Art-Ikone und entdeckt Warhols Fähigkeit als bahnbrechender Ausstellungs- kurator und Installationskünstler neu.

Mit den Ausstellungen „Andy Warhol exhibits a glittering alternative“ und einer Hommage an Warhols wegweisendes Projekt „Raid the icebox 1 with Andy Warhol“ gibt das mumok erstmals einen exemplarischen Überblick über die Ausstellungspraxis des Universalkünstlers, ohne dabei dessen Früh- und Spätwerk außer Acht zu lassen. Dieser Querschnitt eröffnet neue Perspektiven auf die vielfältigen, von Warhol eingesetzten Medien und zeigt, dass seine Präsentationsmodi als wesentliche Bestandteile seines Werkes zu verstehen sind.

Die Ausstellung wird demonstrieren, wie Warhol bereits in den 1950er-Jahren mit künstlerischen Strategien auf dem zweidimensionalen Blatt experimentiert und diese in den folgenden drei Jahrzehnten im dreidimensionalen Raum perfektioniert. So präsentiert sich das Ausstellungsformat in Warhols Oeuvre weniger als finales „Werk“ denn als künstlerisches Medium. Während der traditionelle Werkbegriff einer statischen Auffassung des autonomen Kunstobjekts im Raum entspricht, nähern sich Warhols Einzelausstellungen immer mehr einer raumspezifischen Installation.

Die Ausstellung fungiert als temporär isoliertes Modul, das je nach Kontext variiert und den Betrachter als interpretierende Instanz miteinbezieht. Es stellt sich daher nicht die Frage, ob Warhol als Illustrator, Maler, Bildhauer, Filmemacher, Installationskünstler oder Konzeptkünstler auftritt. Entscheidender ist die wechselseitige Beziehung zwischen Produktion und Präsentation. Warhol geht über das einzelne Bild hinaus – er relativiert es – beschränkt sich nicht auf das Machen und Zeigen, sondern zielt auf eine allumfassende Präsentation ab, die sich von der raumspezifischen Hängung in Serien über den Ausstellungskatalog – der gleichsam selbst zum Werk wird – bis hin zur Eröffnungszeremonie erstreckt. Anstatt daher einen einzelnen Aspekt seines Werkes herauszuarbeiten – wie dies in der Vergangenheit nur allzu häufig der Fall war – setzt sich die Ausstellung zum Ziel, mit über 200 Exponaten Warhols modularen und installativen Arbeitsprozess in den Mittelpunkt zu rücken.

Dass Warhol bereits zu Lebzeiten die Präsentation seines Frühwerks – also jener Werke, die vor 1962 entstanden sind – untersagte und deren Wahrnehmung in bewusster Manier steuerte, ist nur Wenigen bekannt. Beginnend mit der Campbell’s Soup Can-Schau in der Ferus Gallery 1962 konzentrierten sich die Folgeausstellungen der frühen 1960er-Jahre auf die Präsentation einzelner serieller Themen: Campbell’s Soup Cans, Brillo Boxes, Flowers, Disasters und Celebrity Portraits. Andy Warhol kreierte ein für die Öffentlichkeit bestimmtes Image, das bis zum heutigen Tag erfolgreich seine Rezeption prägt. Ein Image, das dringend einer kritischen, zeitgenössischen Perspektive bedarf.Nicht noch eine Warhol Retrospektive …

„Andy Warhol exhibits“ wirft einen Blick hinter das erwähnte öffentliche Image des Künstlers und rückt stattdessen bisher kaum beleuchtete Aspekte von Warhols Universum in den Fokus. So werden zwei Seiten seiner „Doppelpersona“ – zum einen eine vielzitierte inszenierte, zum anderen eine von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, versteckte Persönlichkeit – auf zwei Ebenen des mumok einander gegenübergestellt. Die Eingangsebene beschäftigt sich mit Warhols kuratorischen Intentionen und vorherrschenden Motiven/Abstraktionen der 1950er-Jahre. Gezeigt werden „Blotted Line“-Drucke und Zeichnungen, die den männlichen Körper, Drag sowie homoerotische Symbole und Gesten thematisieren – ein Themenkomplex, der den Künstler bis an sein Lebensende beschäftigen sollte.

Die Spannweite reicht von Werken aus Warhols erster Ausstellung Fifteen Drawings Based on the Writings of Truman Capote (1952) über bisher noch nie gezeigte marmorierte Papierskulpturen (1954) bis hin zu kaum gezeigten Drag-Zeichnungen (1953) und Buchprojekten wie In the Bottom of My Garden (1958). Die ausgewählten Arbeiten verdeutlichen Warhols frühe Beschäftigung mit ikonografisch klar definierten Serien – insbesondere sein Interesse an Varianten der Geschlechterperformance – sowie die Entwicklung einer spezifischen Motivsprache, die in unterschiedlichsten Kontexten immer wieder aufs Neue erscheint. So lässt sich Andy Warhols Frühwerk nicht mehr als rein „kommerziell“ abstempeln. Die zweite Ebene stellt Warhols Ausstellungsmodi der 1960er-, 1970er- und 1980er- Jahre mit Schwerpunkt auf die Präsentation einzelner Werkserien in den Mittelpunkt. Thematisiert wird die enge Verwobenheit von Werk und Präsentationsmodus.

Andy Warhol exhibits a glittering alternative
25. September 2020 bis 31. Jänner 2021

mumok – Museum moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien
Museumsplatz 1
A-1070 Wien
https://www.mumok.at

Öffnungszeiten:
Mi bis So 10–18 Uhr

Galerie Scalable Skeletal Escalator

„Scalable Skeletal Escalator“, konzipiert von Isabel Lewis, ist eine experimentelle künstlerische Arbeit in Form eines Holobionts, einer vielfachen organischen Assemblage, wie sie auch der menschliche Körper darstellt, schüttelnd fröstelnd ins Leben gerufen. Dieser Modus des Ausstellungsmachens lässt sich inspirieren von der Evolutionsbiologin Dr. Lynn Margulis, die kooperative und symbiotische Beziehungen zwischen den Spezies als treibende Kraft der Evolution benennt.

Die Themen des Werkkomplexes fliessen über in die Form, potentielle menschliche Zukünfte reflektierend. In Fortführung der Praxis von Isabel Lewis, die körperlosen Denksysteme des Westens zu hinterfragen, in der körperliche „Lebendigkeit“ im Deadlock von Idealismus / Materialismus verneint wird, lädt dieses Werk Kollaborateure und Besucher*innen zu einer partizipativen, epistemologischen Suche ein, um den Körper zu bergen indem unser menschliches Sensorium instandgesetzt wird, damit wir Leben erweitern anstatt uns vom Leben zu entfernen.

„Scalable Skeletal Escalator“ wird möglich gemacht durch die Zusammenarbeit von Dirk Bell / Mo Stern, Callie’s Berlin, Lara Dâmaso, The Field, LABOUR, Matthew Lutz-Kinoy, Rafał Pierzyński, Mathias Ringgenberg, Tanzhaus Zürich, Sissel Tolaas, Juliette Uzor, Marcelo Alcaide und Yolanda Zobel. Es ist eine performative künstlerische Arbeit, die sich über vier Stockwerke im Löwenbräukunst-Areal ausbreitet, in dem sich die Kunsthalle Zürich befindet.

Scalable Skeletal Escalator
24. September bis 8. November 2020
Eröffnung: Mi 23. September 20, 18 Uhr

Kunsthalle Zürich
Limmatstrasse 270
CH-8005 Zürich
http://kunsthallezurich.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 11-18 Uhr
Donnerstag 11-20 Uhr

Galerie Sehnsucht Natur. Sprechende Landschaften in der Kunst Chinas

Berge und Gewässer, Wälder und Wolken – seit 1000 Jahren stehen diese Naturmotive im Zentrum der chinesischen Malerei. Sie sind zum Inbegriff der chinesischen Kunst und Kultur geworden und inspirieren Kunstschaffende noch heute. Die Schau „Sehnsucht Natur. Sprechende Landschaften in der Kunst Chinas“ im Zürcher Museum Rietberg führt in die chinesische Landschaftsmalerei ein, entschlüsselt ihre verschiedenen Bedeutungen und versteckten Botschaften. Sie vermittelt Einblicke in die Kultur, Philosophie und Literatur Chinas und spricht zugleich ein hochaktuelles Thema jenseits nationaler Grenzen an: die Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Zum ersten Mal stellt eine Ausstellung historische Meisterwerke Landschaftsdarstellungen international bekannter Künstlerinnen und Künstler der Moderne und Gegenwart direkt gegenüber. Dieser Dialog offenbart unerwartete Verbindungen, aber auch spannende Konflikte und Brüche. Die Ausstellung zeigt 90 Werke aus den letzten sechs Jahrhunderten, darunter Malereien, Installationen und Videos. Neben Highlights aus der im Museum beheimateten Sammlung Drenowatz sind wertvolle Leihgaben aus führenden europäischen Museen und selten ausgestellte Werke aus Privatsammlungen zu sehen.

Sehnsucht Natur
Sprechende Landschaften in der Kunst Chinas
11. September 2020 bis 17. Januar 2021

Museum Rietberg
Gablerstrasse 15
CH-8002 Zürich
https://rietberg.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 10–17 Uhr
Mittwoch 10–20 Uhr