Galerie In aller Munde. Von Pieter Bruegel bis Cindy Sherman

Es ist die umfassendste Themenausstellung zu Kunst und Kultur rund um das Orale, die es jemals in Deutschland gab – und sie ist ab dem 31. Oktober 2020 im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen: die große Schau „In aller Munde. Von Pieter Bruegel bis Cindy Sherman“. Mit Werken von unter anderem Albrecht Dürer, Pablo Picasso, Louise Bourgeois, Marina Abramović und Andy Warhol zeigt das Kunstmuseum über 250 Kunstwerke und Objekte von der Antike bis zur Gegenwart.

Als Schauplatz des hochinfektiösen Desasters erlebt der Mund- und Rachenraum gegenwärtig weltweit größte Aufmerksamkeit, bietet er doch mit seiner Schleimhaut das ideale Substrat für Überlebens- und Verbreitungsmöglichkeiten des Coronavirus – eine Aktualität, die man im Zuge der Ausstellungsvorbereitung nicht erwartet hatte. Der Mundraum ist damit ins Zentrum gesellschaftlicher, politischer und medialer Debatten gerückt. Mit Lippen, Zunge und Zähnen ist der Mund in Gänze eine äußerst reizvolle Körperzone: Sprache, Schmerz und Schrei, Essen, Schlingen, Speien und Spucken, Lust und Leidenschaft. Diese emotionale Bandbreite von Ekel bis Empathie erfahren die Besucher*innen des Kunstmuseum Wolfsburg auf dem abwechslungsreichen Themenparcours.

So widmet sich eines der Ausstellungskapitel, „Zahn und Zierde“, den Zähnen und ihrem dekorativen, religiösen sowie auch ökonomischen Wert in unterschiedlichen Kulturen unserer Welt: Die neuseeländische Künstlerin Ane Tonga beschäftigt sich mit Traditionen rund um den goldenen Zahnschmuck in ihrer tongaischen Familie und setzt diesen fotografisch in Szene, während das Londoner Künstlerpaar Fantich & Young ganze Masken und Outfits aus Zähnen entwirft. Zähne sind jedoch nicht nur Dekor, sondern auch Waffe und werden in den Kapiteln „Schlund und Schlingen“ oder „Kuss und Vampirismus“ zum Tötungsinstrument, wenn der Werwolf bei Lucas Cranach Menschen verschlingt, Saturn bei Alfred Kubin seine Kinder verspeist oder der Liebesbiss des Vampirs bei Edvard Munch zum Todeskuss wird.

Für die sinnliche Form des Kusses sind die Lippen und die Zunge zuständig, was in den intensiven Kussdarstellungen von Pablo Picasso oder Wolfgang Tillmans überaus deutlich wird. Luft und Laute verlassen unseren Mund indessen hörbar aber unsichtbar, was im entsprechenden Ausstellungskapitel beispielsweise in der überraschend langen Motivgeschichte des Homo Bulla, des Menschen, der Seifenblasen bläst, zum Ausdruck kommt. Insgesamt gliedert sich die Ausstellung in folgende 12 Kapitel: Expeditionen in den Weltinnenraum; Rund um den Mund; Zähne zeigen; Zahnschmerz & Kommerz; Zahn & Zierde; Auf der Zunge; Lecken & Schmecken; Schlund & Schlingen; Kuss & Vampirismus; Schreien & Speien; Luft & Laute sowie Zahn der Zeit.

In der 2.250 Quadratmeter großen Ausstellungshalle des Kunstmuseum Wolfsburg bieten in einer eigens konzipierten Architektur, die einen abstrahierten Mundraum darstellt, Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Videos und kulturgeschichtliche Objekte einen beeindruckenden Überblick über das Spektrum an Visualisierungen rund um das Orale. Vom ältesten Exponat der Schau, einer rund 2.600 Jahre alten altägyptischen Bronzefigur, welche die stillende Göttin Isis mit Harpokrates darstellt, über einen der berühmten Charakterköpfe von Franz Xaver Messerschmidt bis hin zu aktuellen Werken wie den Scream-Arbeiten von Christian Marclay, der skurrilen Zahnlandschaft von Mithu Sen oder einer ortsspezifischen Installation von Benjamin Houlihan, bei der er mit seiner Zunge Temperafarbe auf eine Wand leckt – die Schau im Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert zum Thema Mund faszinierende Kunstwerke aus einer Reihe der bedeutendsten Museen.

In aller Munde. Von Pieter Bruegel bis Cindy Sherman
31. Oktober 2020 bis 5. April 2021

Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
D-38440 Wolfsburg
https://www.kunstmuseum-wolfsburg.de

Öffnungszeiten:
Di bis So 11–18 Uhr

Galerie Michał Budny, Vittorio Santoro – Sculpture/Sculpture

Michał Budny (*1976) gehört zu den führenden Positionen der aktuellen polnischen Kunst. Seine Objekte, Installationen und Kartonagen nehmen Mass am Menschen, an der Körperlichkeit und Präsenz des Künstlers sowie der Betrachterin. Auch Vittorio Santoros (*1962) Arbeiten sind auf das Publikum angewiesen: Viele Arbeiten erschliessen sich erst durch die Bewegung in einer Installationen und zwischen den Objekten. Die Ausstellung „Sculpture/Sculpture“ verbindet die Werke der beiden Künstler zu einem losen Dialog.

In ihrer Strenge und Gegenstandslosigkeit erinnern Michał Budnys Arbeiten an den Konstruktivismus. Die Klarheit seiner visuellen Sprache und die geometrischen Formen stellen Verbindungen zur Minimal-Art her. Doch wenn Budny 180 Quader auslegt, die von weitem wie schwarze Ziegelsteine aussehen, aber aus Karton gefertigt sind, zeigt sich Budnys Interesse am Brüchigen und Prekären. Genaue Beobachtungen von Emotionen, Orten und Beziehungen stehen am Anfang seines Arbeitsprozesses, so dass jedes Werk immer auch eine Vorstellung, eine Erinnerung oder ein Gefühl vermittelt. Dafür setzt der Materialien wie Holz, Stahl und Sand präzise ein.

„Meteorite“ (2020) sind über ein Meter hohe, ovale, aus Gusssand geformte Objekte. Die Arbeit entstand während seines Atelieraufenthalts im Sitterwerk St. Gallen in diesem Frühjahr. Budny entdeckte das tiefschwarze Abfallmaterial, das vom Gussprozess übrig bleibt, auf dem Areal der Kunstgiesserei. Die an überdimensionierte Eier erinnernden Meteoriten bestehen aus dem Sand, der normalerweise als Gussform für das flüssige Metall dient. In ihrer Materialität und Haptik spielen sie mit der Ambivalenz von Proportion, Zerbrechlichkeit und Schwere. Ihre perfekte Rundung und die raue schwarze Oberfläche erzählen von einer potentiellen Reise durch das All, vom kosmischen Ursprung im Sonnensystem sowie der darin enthaltenen Geschichte der Frühzeit.

„Sculpture/Sculpture“ ist Vittorio Santoros erste umfassende Werkschau in der Schweiz. Er nennt seine räumlichen Arbeiten skulpturale Situationen, arbeitet aber auch mit Film und vor allem mit Schrift und Sprache. Den Ausgangspunkt für ein Werk bildet stets eine Idee, ein Phänomen in der Welt oder eine literarische Szene, die er mit künstlerischen Mitteln untersucht und übersetzt. In den skulpturalen Situationen kombiniert Santoro gefundene Objekte mit eigens produzierten Artefakten, wobei ihre Herkunft verschiedene Assoziationen ermöglicht. Das Publikum wird mit unterschiedlichen literarischen sowie historischen Momenten konfrontiert und aufgefordert, Entscheidungen zu treffen: rechts oder links gehen, die Installation durchqueren oder nur aus einer sicheren Distanz betrachten?

So lenkt Santoro die Erwartungen des Publikums über den Ausstellungsraum hinaus, hinterfragt etablierte Werte und denkt über soziale Ränder oder poetische Gesten nach. Für „Sculpture/Sculpture“ hat der in Zürich und Paris lebende Künstler eine neue Rauminstallation entwickelt. Er thematisiert darin Megafone, wie sie für die Massenkommunikation im Freien, für Verkündigungen und Demonstrationen verwendet werden. Informationen, Anweisungen, Wünsche und Forderungen werden mittels Megafonen verstärkt und akustisch verzerrt in die Menge gestreut. Verschiedentlich ist Santoro in der Ausstellung mit real-time activities präsent. Mit diesem Begriff bezeichnet er seine Interventionen, seien dies Performances oder Aktionen.

Michał Budny, Vittorio Santoro - Sculpture/Sculpture
31. Oktober 2020 bis 31. Januar 2021
Eröffnung: Fr 30. Oktober 2020, 15 Uhr

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1
CH-6002 Luzern
https://www.kunstmuseumluzern.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 11-18 Uhr
Mittwoch 11-19 Uhr

Galerie Tools for Utopia

Kunst bricht mit Gewohntem und öffnet den Blick für neue Zukunftsvisionen: Kunst schafft Utopien. Am Anfang jeder Utopie steht eine dystopische Realität. So erzählt «Tools for Utopia» die Geschichte von politischer und sozialer Unterdrückung aber auch von kultureller Aufbruchsstimmung. Innovative Kunstschaffende entwickelten abstrakte Kunst, durch die sie zu einer radikalen Neugestaltung der Gesellschaft beitragen wollten.

«Tools for Utopia» zeigt wie Kunst zum Werkzeug kultureller, sozialer und politischer Veränderung in Lateinamerika wird. Die Ausstellung nimmt die Tradition abstrakter und konkreter Kunst u. a. Brasiliens, Argentiniens und Uruguays der 1950er- bis 1970er-Jahre zum Ausgangspunkt und präsentiert einen Einblick in das künstlerische Schaffen Lateinamerikas.

Der Ausstellungstitel greift bewusst den Begriff des «Werkzeugs» auf. Er bezieht sich auf die Geschichte von Kunstwerken, die in verschiedenen sozialen und politischen Kontexten versuchen, die gegenständliche Darstellung zu überwinden, und den Raum jenseits des Bilderrahmens suchen um zu aktiven Akteuren in der Umgestaltung der Gesellschaft zu werden. «Tools for Utopia» umfasst von Gemälden, Plastiken über installativen Arbeiten bis hin zu Film und Fotografie ein breites Spektrum an künstlerischen Arbeiten.

Die rund 200 Werke spielen mit unserer Wahrnehmung, erfinden neue Sprachen oder lassen den Angriff auf menschliche Körper nachspüren, wo diese entwertet werden und Gewalt ihre Spuren hinterlässt. Die Schau gibt einen Einblick in das vielfältige künstlerische Schaffen Lateinamerikas und die Themen, die den Kontinent bis heute bewegen.

Die Kunst soll aufhören zu «repräsentieren» um «Realität zu werden», forderte die brasilianische Grupo Ruptura 1952 in ihrem Manifest und nahm Stellung gegen die «hedonistische gegenständliche Kunst, die dem blossen Vergnügen» diene. Der uruguayische Künstler Rhod Rothfuss thematisierte 1944 erstmals die Rolle des Bilderrahmens in der zeitgenössischen Kunst, ein Gemälde solle «in sich selbst beginnen und enden» deklarierte er, dabei spiele der «Rand der Leinwand eine aktive Rolle in der bildnerischen Schöpfung». Rothfuss lenkte den Blick auf den Rand des Kunstwerks und – in Konsequenz – über den Rahmen hinaus und setzte damit den Grundstein für die Konkrete Kunst in Lateinamerika.

In diesem Geist beschäftigten sich Kunstschaffende mit ähnlichen Fragestellungen und organisierten sich in Bewegungen, die mit neuen visuellen Erfahrungen experimentierten. Sie wehrten sich gegen die bis dahin definierte kulturelle Identität Lateinamerikas. Sie kritisierten die vorherrschende Bildsprache, die historische Ereignisse lediglich abbildete und verteidigten die Kunst als Mittel des Wissenserwerbs und als Anreiz für innovatives Denken. Traditionelle Ausdrucksmittel wie Malerei, Skulptur und Zeichnung wurden bewusst negiert oder weiterentwickelt.

Der Brasilianer Hélio Oiticica etwa überführte die Malerei in die Dreidimensionalität und hinterfragte die traditionelle Beziehung des Publikums zum Kunstwerk. In seinen Raumreliefs (1960) machte er die «Malerei» von der Bewegung der Betrachtenden abhängig. Die Werke hängen frei im Raum und können von allen Seiten betrachtet werden. Mit den Sinnen spielen auch eine Reihe von sogenannten Op Art-Werken. Sie führen buchstäblich vor Augen: Was wir sehen, ist nicht objektiv. Wiederholungen, präzise geometrische Muster und heftige Lichteffekte irritieren die menschliche Wahrnehmung. Die Ausstellung widmet sich diesem Phänomen und zeigt eine Kunst, die die Realität formen will, anstatt sie nur darzustellen.

Die Werke von prominenten Vertreter*innen der Op Art wie Carlos Cruz-Diez oder Julio Le Parc erzeugen nicht nur optische Illusionen sondern erfassen den ganzen Körper der Betrachtenden. Im Falle von Julio Le Parcs Werken tauchen Besuchende physisch in ein Lichterlebnis ein. Das Spiel mit den Sinnen ist mehr als nur spielerische Erkundung des Verhältnisses zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit; es kann vielmehr politisch gelesen werden. Für Le Parc hatten die optischen Effekte nicht das Ziel, das Publikum zu täuschen. Sie sollten vielmehr als Labor dienen, in dem Betrachtende neue Erfahrungen machen und experimentieren.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind Werke, die in den 1950er- bis 1970er-Jahren von Kunstschaffenden aus Brasilien, Venezuela, Uruguay oder Argentinien geschaffen wurden. Die Werke entstanden in einer Zeit, in der viele lateinamerikanische Länder von nationalen und internationalen Konflikten zerrissen und von autoritären und korrupten Machthabern regiert wurden. Der brasilianische Künstler Antonio Dias war 1966 selber vor der Militärdiktatur in seiner Heimat nach Paris geflüchtet. Seine Arbeiten aus dieser Zeit thematisieren die Erfahrungen der Repression in Brasilien sowie die Studentenunruhen in Europa. Seine Serie von in Bronze gegossenen Pflastersteinen «To the Police» (An die Polizei) (1968) ist ein ironischer Kommentar, der sich an die Staatsmacht sowohl in Brasilien als auch in Europa wendet. Die Handlungsaufforderung wird in «Do It Yourself: Freedom Territory» (1968) noch deutlicher, wo eine Bodenmarkierung, die aus angedeuteten Grenzen und Öffnungen besteht, den Besuchenden einen Weg vorgibt.

Der menschliche Körper wird Teil der Kunst und Werkzeug des Widerstandes. Aber auch ein Mittel zur Selbstbestimmung. Regina José Galindo nutzt ihren Körper als Metapher für die kollektive Masse und setzt sich immer wieder extremen Situationen wie dem Waterboarding aus. Ana Mendietas Selbstportäts sind Ausdruck ihrer Weigerung, den Erwartungen des männlichen Blicks zu entsprechen. In der Kunst wird marginalisierten Gruppen oder verletzten Körpern Sichtbarkeit verliehen – seien es Personen ohne Papiere, Frauen in traditionellen (patriarchalen) Gesellschaften, Transmenschen oder indigene Völker. Kunstschaffende wie die Chilenin Paz Errázuriz treten mit unsichtbar gemachten Menschen in Dialog und führt in ihren fotografischen Essays feinfühlig die Fragilität der Porträtierten vor Augen.

Der Katalog mit 6 ausgewählten Manifesten und 5 aktuellen Gesprächen mit Kunstschaffenden aus Lateinamerika ergänzt die Ausstellung und schlägt eine Brücke in die Gegenwart. Die Schau versucht zu zeigen, inwiefern die lateinamerikanischen Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts als Katalysator für die kulturelle, gesellschaftliche und politische Imagination fungierte und stellt die Frage, wofür diese Ideen und Hoffnungen heute stehen. Die Ausstellung und ihr Katalog haben zum Ziel, an die Visionen von Kunst, Politik und Subjektivität anzuknüpfen. Die Gespräche mit den Kunstschaffenden bahnen den Zugang zu ihren Stimmen.

Die Daros Latinamerica Collection mit Sitz in Zürich ist eine der bedeutendsten Privatsammlungen zeitgenössischer lateinamerikanischer Kunst. Über tausend Arbeiten von mehr als hundert Künstler*innen zählen zum Bestand: Einzelwerke und Werkgruppen aller Medien und Gattungen, die vorwiegend zwischen den 1950er-Jahren und den frühen 2000er-Jahren entstanden sind. Leitmotiv der Sammlung ist nicht die enzyklopädische Vollständigkeit, sondern die Signifikanz der einzelnen Werke. So vereint Daros Latinamerica Arbeiten, die auf unterschiedlichen Ebenen lesbar sind und bei denen sich Inhalt und Medium sinnstiftend verbinden.

Ausstellungskatalog: Tools for Utopia. Selected works from the Daros Latinamerica Collection. Hrsg. v. Marta Dziewanska, 92 Seiten, 100 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-7757-4837-7 (D/E).

Tools for Utopia
Selected Works from the
Daros Latinamerica Collection
30. Oktober 2020 bis 21. März 2021

Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 8
CH-3011 Bern
https://www.kunstmuseumbern.ch

Öffnungszeiten:
Dienstag 10-21 Uhr
Mi bis So 10-17 Uhr
Montag geschlossen

Galerie Welt am Draht

Installative Kunst mit Lichtprojektionen, Neonbändern und Fluoreszenzröhren hängt ebenso ab von einem steten Fluss elektrischer Energie wie die Videokunst. Neue technische Möglichkeiten boten auch immer neue ästhetische und inhaltliche Möglichkeiten, welche seit den späten 1960er Jahren von den Künstlerinnen und Künstlern intensiv genutzt wurden.

Gerade weil diese sich rasch wandelnde Technologie nahe am Alltag ist und die schnellen und widersprüchlichen Entwicklungen der Jetztzeit abbildet, sind ihre Botschaften besonders aktuell. Kunstschaffende wie Silvie und Chérif Defraoui, Alexander Hahn, Aleksandra und Roman Signer, Pipilotti Rist oder Matthew McCaslin haben kontinuierlich an der Entwicklung der Kunst mit den neuen Medien und ihrer betont zeitgenössischen Metaphorik gearbeitet.

Diese Künstlerinnen und Künstler sind mit Hauptwerken in der Sammlung des Kunstmuse­ums vertreten und eröffnen in dieser Ausstellung einen Diskurs, der einem visionären frühen Fernsehfilm von Rainer Werner Fassbinder entliehen ist, den dieser 1973 nach dem Science­-Fiction-Roman „Simulacron-3“ von Daniel F. Galouye (1920–1976) drehte. Die Welt ist nicht, was sie scheint, und die Berichte über sie erst recht nicht, nur die Reflexion lässt die Dinge kla­rer werden. Manons zentrale Fotoserie „La dame au crâne rasé“, 1977 in Paris entstanden, verdichtet die Atmosphäre der Zeit, das individuelle Körpergefühl und die Ver­einzelung in der anonymen Grossstadt in einzigartiger Weise. Die Parallelen zum Lebensgefühl in der Zeit

Welt am Draht
24. Oktober 2020 bis 7. März 2021

Kunstmuseum St.Gallen
Museumstrasse 32
CH-9000 St.Gallen
https://www.kunstmuseumsg.ch

Öffnungszeiten:
Di bis So 10-17 Uhr
Mittwoch 10-20 Uhr

Galerie My Generation. Die Sammlung Jablonka

Die Sammlung Jablonka ist eine der profiliertesten Sammlungen zur amerikanischen und deutschen Kunst der 1980er-Jahre. Sie umfasst Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, mit denen Rafael Jablonka jahrelang gearbeitet, deren Werke er gezeigt und gesammelt hat. Dabei war es über Jahrzehnte sein Grundsatz, immer mehrere Werke aus verschiedenen Schaffensphasen zu erwerben. Erstmals in der Albertina gibt der 1952 geborene Kunsthändler, Galerist und Kurator Einblick in die Sammlung – mit dem Fokus auf seine eigene Generation.

Nachdem Rafael Jablonka 2017 seine in Köln ansässige Galerie endgültig geschlossen hatte, erhielt die Albertina 2019 die bedeutende Kollektion. In Form von Künstlerräumen gibt die Schau einen repräsentativen Einblick in das jeweilige Œuvre, rund 110 Werke sind auf zwei Ausstellungsebenen zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Arbeiten auf Papier lassen die gesamte mediale und thematische Vielfalt der Sammlung Jablonka erleben.

Man muss nun nicht mehr nach Los Angeles oder New York pilgern, um Mike Kelleys Visionen und Installationen der geheimnisumwobenen Stadt Kandor oder seine erschütternden, zu Monstern verknoteten Bündel aus Plüsch- und Stofftieren sehen zu können. Auch die Fallen-Objekte von Andreas Slominski zählen zum Spannendsten, das die Kunst unserer Zeit hervorgebracht hat. Eric Fischl konfrontiert uns mit seinen Gemälden mit den Ängsten und Zwängen, mit der dunklen Seite der menschlichen Existenz. Die von Sherrie Levine ironisch Buddha genannte hochglanzpolierte Bronze nach Marcel Duchamps legendärer Fontaine ist eine Warnung vor der kommerziellen Verdinglichung ikonischer Kunstwerke.

Vertretene KünstlerInnen: Miquel Barceló | Ross Bleckner | Francesco Clemente | Richard Deacon | Eric Fischl | Damien Hirst | Roni Horn | Mike Kelley | Sherrie Levine | Cady Noland | Thomas Schütte | Andreas Slominski | Philip Taaffe | Terry Winters

My Generation. Die Sammlung Jablonka
2. Oktober 2020 bis 21. Februar 2021

Albertina
Albertinaplatz 1
A-1010 Wien
https://www.albertina.at

Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 18 Uhr
Mi & Fr 10 bis 21 Uhr