Wände | Walls

Die Ausstellung „Wände | Walls“ im Kunstmuseum Stuttgart nimmt die künstlerische Beschäftigung mit der Wand seit Mitte der 1960er-Jahre bis heute in den Blick. Die versammelten Werke machen vor allem eines deutlich: Wir sind ständig von Wänden umgeben, und dennoch nehmen wir sie nur selten in ihren weitreichenden Zusammenhängen wahr. Wände lassen uns geborgen, eingeengt oder ausgegrenzt fühlen – sie sind widersprüchliche Grenzen.

Graffiti im Sinne des modernen „Writings“ entstand Mitte der 1960er-Jahre in Philadelphia. Von dort breitete es sich ins nahe gelegene New York aus und wurde im Rahmen der Hip Hop-Kultur zu einer progressiven Jugendbewegung. Als Subkultur schwappte Graffiti in den 1980er-Jahren nach Europa über: Amsterdam, Paris und München waren zunächst die Großstädte mit den spürbarsten Einflüssen aus der US-Metropole. Über München gelangte die Graffitikultur auch nach Stuttgart.

Künstler_innen wie Monica Bonvicini und Yoko Ono kehren in ihren Werken die entscheidendste Funktion von Wänden hervor – die des Ein- und Ausschließens. Wände stehen einerseits für den Schutz des Individuums, andererseits können sie einsperren und Zugang verwehren. Als raumbildendes Architekturelement bestimmen sie unsere Lebensräume mit und sind beteiligt an identitätsstiftenden Prozessen. Künstler_innen wie Ernst Caramelle und Bruce Nauman verdeutlichen dies, indem sie die Wand als reagierendes Gegenüber begreifen oder ihr menschliche Züge zusprechen. Arbeiten von u.a. Jeewi Lee und Sol LeWitt thematisieren wiederum den White Cube als gängige Präsentationsform zeitgenössischer Kunst. Sie führen vor Augen, wie die weißen Wände des Ausstellungsraums Wirkung und Wahrnehmung von Kunstwerken beeinflussen.

Wände | Walls
26. September 2020 bis 31. Januar 2021

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1
D-70173 Stuttgart
https://www.kunstmuseum-stuttgart.de

Öffnungszeiten:
Di bis So 10–18 Uhr
Freitag 10–21 Uhr
Mo geschlossen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.